JEDDELOH II, 13. März 2010


Freiheit auf drei Rädern

Hobby Im „Twike“ erntet Stefan Gerdes oft neugierige Blicke


Das Elektromobil ist ein Mix aus Fahrrad und Auto. Eine Akkuladung reicht von Jeddeloh II bis nach Hamburg.

von Anna Zacharias

Jeddeloh II - Stefan Gerdes erregt Aufsehen auf der Landstraße. Der Maschinenbauer fährt Twike-Modell Nr. 674. Weltweit gibt es bisher unter tausend Exemplare von diesem Gefährt. Der mit Strom betriebene Mischling aus Fahrrad und Auto fährt bis zu 85 Kilometer pro Stunde.

„Die Köpfe drehen sich, wenn ich mit dem Twike unterwegs bin. Ich wurde sogar schon einmal mitten auf der Straße ausgebremst, weil ein Autofahrer unbedingt wissen wollte, was das für ein Gefährt ist“, sagt Gerdes und lacht.


Mit Twike mehr Bewegung
Auf die außergewöhnliche Fortbewegungsmethode war Gerdes vor zwei Jahren auf der Suche nach einer Alternative zu seinem Auto gekommen. „Ich sitze den ganzen Tag im Büro. Dann fahre ich mit dem Auto nach Hause und sitze auf dem Sofa – mir fehlte einfach die Bewegung. Über Kollegen, die ein anderes Elektrofahrzeug fahren, bin ich auf das Twike gestoßen“, erklärt Gerdes. Und wer hat’s erfunden? „Das waren die Schweizer. Sollte an dem Fahrzeug etwas zu reparieren sein, müsste man es den langen Weg zum Hersteller bringen“, sagt Gerdes.

In Deutschland werde das Dreirad versichert wie ein ganz normaler Wagen. „Da kommt es natürlich auf Verhandlungsgeschick mit der Versicherung an. Da es keine Fahrzeugnummer gibt, saß ich erstmal eine ganze Weile ratlos vor den Papieren. Jetzt ist der Wagen ganz normal als Auto zugelassen“, erklärt Gerdes.

Eine günstige Alternative zum Wagen, sagt er, sei das Twike allerdings nicht. „Ein günstiges Gerät bekommt man für rund 10 000 Euro. Teuer ist der Akku, der alle paar Jahre ausgetauscht werden muss und 5000 bis 10 000 Euro kostet“, sagt er.

Mit aufgeladenem Akku könne man aber theoretisch von Jeddeloh II bis nach Hamburg fahren. Dort müsse man anschließend nur eine herkömmliche Steckdose zum Aufladen finden. Für Gerdes sei es vor allem die Bewegung, und auch ein bisschen die Freude am Besonderen, die die Anschaffung rechtfertige.

Der elektronische Zweisitzer fahre zwar von ganz allein, trotzdem luden die Pedale dazu ein, sich während der Fahrt sportlich zu betätigen. „Das Treten leistet einen geringen Beitrag zur Fahrleistung. Darauf kommt es aber nicht an, sondern auf den Spaß an der Bewegung“, findet Gerdes.

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Anfängliche Skepsis
Seine Frau Birgit sei zunächst skeptisch gewesen – die Joystick-Lenkung war ihr anfangs nicht geheuer. Auch der Gedanke, mit leerem Akku liegenzubleiben habe ihr Anlass zum Zweifel gegeben.

Inzwischen ist sie aber überzeugt. „Es ist ein tolles Fahrgefühl, und obwohl es keine Heizung gibt, wird einem nicht kalt, man bewegt sich ja. Die Energie-Anzeige muss man im Blick haben, das ist eine Frage der Gewöhnung“, sagt sie.

Gefährlich könne es werden, wenn Verkehrsteilnehmer das herannahende Fahrzeug falsch einschätzten. „Man sieht zwei Menschen, die in die Pedale treten, und geht nicht davon aus, dass das Gefährt Geschwindigkeiten eines Autos erreicht. Da muss man aufpassen“, so Gerdes.




 



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