Alltagsgeräuschen auf der Spur
Aktion Friedrichsfehner Grundschüler bauen eine „Datenbank der Klänge“
Wie klingt ein Türklopfen? Die Friedrichsfehner Grundschüler Malina (von links), Tom und Amelie nehmen das Geräusch für die Datenbank der Schule auf. BILD: inka bodmann 
von Inka Bodmann
Friedrichsfehn - Es klopft an der Tür. Ein Luftballon quietscht, dumpfe Schläge hallen von einer Trommel wieder, dazu Papiergeraschel, leise Unterhaltungen und das Rauschen von Computern. In der Klasse 2c der Grundschule Friedrichsfehn sitzen 26 Schülerinnen und Schüler und lauschen gebannt.
Wie Detektive spüren sie den typischen und untypischen Geräuschen des Alltags nach. Aufgenommen werden sie von den Kindern mit Hilfe eines Mikrofons; dann werden die Tonaufnahme überarbeitet und die Geräusche in „angenehm” und „unangenehm”, in „laut” und „leise” eingeteilt. Wer nicht mit der Aufnahme beschäftigt ist, entwickelt neue Geräuschbeispiele.
„Wir könnten das Geräusch eines Bauchklatschers beim Schwimmen nachstellen”, schlägt Anna vor. „Oder wir sagen alle gleichzeitig ‘Guten Morgen’”, meinen Vanessa und Eileen. Andere Schüler beschäftigen sich damit, wie man die aufgenommenen Geräusche bildlich darstellen kann und malen mit Buntstiften verschiedene Szenen auf Papier, wie die Begrüßung der Lehrerin im Klassenzimmer, oder mittels Zeichenprogramm direkt auf den Computerbildschirm.
Wie kommt man auf die Idee, Kinder für Geräusche zu sensibilisieren? „Wir nehmen in diesem Jahr bereits zum 13. Mal am Aktionstag gegen Lärm teil”, erklärt Hilke Funk, in deren Sachkundeunterricht das fünfwöchiuge Projekt angeboten wird. Dieses Jahr findet der internationale Aktionstag an diesem Mittwoch, 28. April, statt und steht unter dem Motto „Kostbare Ruhe – teurer Lärm“. Angeboten wird der Tag in Deutschland von der Gesellschaft für Akustik, die über die Gefahren des alltäglichen Lärms aufklären und informieren will.
Auch in der Friedrichsfehner Grundschule ist man sich der Lärmprobleme bewusst. „In den vergangenen Jahren haben wir bereits einen Schallpegelmesser in der Pausenhalle installieren können und eine Geräuschedatenbank, die jetzt erweitert wird, ins Internet gestellt”, sagt Schulleiter Hartwig Fortkamp. Er, Fortkamp, sei nicht überrascht, dass sich die Jungen und Mädchen schnell und interessiert dem physikalischen Thema „Schall, Geräusche und Lärm” widmen würden. „Kinder sind sehr sensibel und können gut beurteilen, ob ein Geräusch angenehm ist oder nicht”, so Fortkamp. Ob Geräusche Lärm seien, hänge von der persönlichen Wahrnehmung und der Gewöhnung ab. Es gebe zwar messbare Zahlen, „aber ob etwas stört, entscheidet jeder für sich.“ Als Beispiel nennt der Schulleiter zerbrechendes Glas: „Das Schallereignis ist hier zwar sehr laut, aber auch sehr kurz. Trotzdem wirkt es unangenehm, da das Zerbrechen von Glas als negativ empfunden wird.“ Die Pausenklingel hingegen wirke – wenn auch im Klang eher schrill – durchaus angenehm bei den Schülern, so der Pädagoge. Nur während der Aktionstage scheint dieser „Erfolg der Pausenklingel“ fraglich. Die Schüler wollen – da sind sie sich einig – am liebsten den ganzen Tag Geräusche produzieren, aufnehmen und neu erleben.
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