Ein sprechendes Krokodil als Wegelagerer
Hobby Otto Wiechmann fertigt aus Metallresten Schönes und Nützliches – Werkstatt auch am Urlaubsort
von Doris Grove-Mittwede
Jeddeloh I - Es ist so groß wie seine lebenden Artgenossen, es hat wie sie eine raue Haut und eindrucksvoll ist es in jederlei Hinsicht: Das „sprechende Krokodil“ aus Jeddeloh I. Die Panzerechse am Wegesrand lässt viele Radfahrer und Autofahrer, die auf der Straße Hinterm Rhaden in Jeddeloh I unterwegs sind, schmunzeln. „Ich bin ein Krokodil und fresse ziemlich viel“ wird den Passanten, der sich dem silbernen Riesen nähert, entgegengerufen.
Geschaffen wurde der 8,60 Meter lange silberne Riese, der am Rumpf einen Durchmesser von 90 Zentimetern hat und aus „Sicherheitsgründen“ an der Kette liegt, von Otto Wiechmann aus Jeddeloh I. „Ich gehöre zu einer Generation, der vermittelt wurde, dass man nichts wegwirft, weil man alles für andere Zwecke noch wieder herrichten und gebrauchen kann“, sagt der Seniorchef und Firmengründer von Wiechmann Ketten- und Kettenräderbau. Und so hat der 74-Jährige den Industrieabfall, der in seinem Unternehmen bei Arbeiten an der hochmodernen Laserschneidanlage und an der Abkantpresse anfallen, stets im Blick. Denn das, was in der Firma nicht mehr benötigt wird, ist für den gelernten Schmied das „Ausgangsmaterial“ für seine Hobbyarbeiten. Dazu gehören vor allem Riffelbleche aus Aluminium, wie sie beispielsweise als Treppenstufen für die Gangways von Flugzeugen benutzt werden.
Mit Fachwissen, Fantasie und einem Faible für ungewöhnliche Lösungen technischer Probleme schafft Otto Wiechmann Prototypen „made in Jeddeloh“: Ein Aufsitzmäher, der einen Auswurfkasten aus Industrieabfall besitzt, gehört dazu, ein selbst entwickelter Schlauchwagen, der bestens für allerlei Einsätze im Garten gerüstet ist, eine metallene Treppe fürs Haus oder das Krokodil, das über ein Sprachmodul verfügt und Augen aus Plastikkugeln besitzt, hinter denen kleine Lampen installiert wurden.
Eine Werkstatt hat Otto Wiechmann jedoch nicht nur im heimischen Jeddeloh I, sondern auch an seinem spanischen Urlaubsort. Dort hat sich der 74-Jährige, der bis vor zwei Jahren jedes Jahr zu Pfingsten die alte Handwerkskunst des Schmiedens beim Moormuseum Benthullen zeigte und Glückshufeisen fertigte, sein zweites „kreatives Wohnzimmer“ eingerichtet. Das Material, Industrieabfall aus Jeddeloh I, wird dorthin mittels Spediteur geliefert.
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