15. Juni 2011


„Moorböden vor weiterem Torfabbau schützen“



„Ersatz für Torf gesucht“, Ð  vom 10. Juni

Offenbar werden im Hankhauser Moor interessante Versuche zur Produktion von Torf unternommen, deren Erfolge allerdings allenfalls langfristig eintreten können und die vor dem Hintergrund der Nährstofffrachten, die allein aus der Atmosphäre auf den eigentlich nährstoffarmen Standort „Hochmoor“ deponiert werden, mehr als fraglich sind.

Der Kern der Sache ist aber, dass aktuell nach wie vor trotz jahrhundertelanger Torfgewinnung Unmengen an Kohlendioxid in den vorhandenen Moorböden im Nordwesten gespeichert sind. In erster Linie gilt es doch wohl vor dem Hintergrund des Klimaschutzes, die vorhandenen Moorböden endlich umgehend vor dem weiteren Torfabbau und der Entwässerung und damit vor der CO-Freisetzung zu schützen, als die nächsten 20 bis 25 Jahre so weiter zu machen wie bisher (wie es offenbar Ziel der Torfindustrie ist), um dann eventuell langfristig Torf produzieren zu können, wie es jetzt versucht wird. Es sind in vielen Bereichen, wo dies möglich ist, dringend umgehend Vernässungsmaßnahmen erforderlich, um den CO-Ausstoß aus den Moorböden zu reduzieren. Auch ist der Einsatz von torffreien Ersatzstoffen endlich konsequent zu fördern (Kompost, Rindenhumus, Holzfasern etc.).

Es erscheint doch geradezu als Augenwischerei, wenn die Firmen, die seit den 1950er Jahren Torf für den Gartenbau produzieren und so zum Freisetzen von Kohlendioxid in einer Größenordnung beigetragen haben, die wir unseren Kindern wohl nicht mehr als verantwortungsvollen Umgang mit der Natur verkaufen können, sich jetzt den Klimaschutz auf die Fahnen schreiben!

Europa liegt weltweit an zweiter Stelle in den Emissionen von Treibhausgasen aus Moorgebieten. Neben den entwässerten und landwirtschaftlich genutzten Mooren trägt gerade der industrielle Torfabbau dazu bei. Denn er setzt aus den noch vorhandenen Moorböden das gebundene CO in großem Stile frei – (einzig) für den kurzzeitigen Nutzen des Torfes im Gartenbau. Denn einmal im Gartenbau bzw. in den Blumentöpfen bei uns allen angekommen, wird der Torf sehr rasch mineralisiert und das Kohlendioxid damit freigesetzt.

Großflächige lebende, intakte und damit als Kohlendioxid-Senken wirkende Hochmoore, die ursprünglich die Landschaft hier prägten (...), gibt es im Nordwesten übrigens nicht mehr. Deutschlandweit sind über 95 Prozent der einst 1,5 Millionen Hektar Moorfläche entwässert, abgetorft und ökologisch degradiert.

Dr. Oliver-D. Finch, Rastede

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