1000 Wünsche für Welt ohne Rassismus
Festakt KGS trägt seit zehn Jahren Qualitätssiegel – Projekttag mit vielen Aktivitäten und Ehrengästen
Tausend Wünsche für eine Welt ohne Rassismus: Die Schülerinnen und Schüler ließen auf dem Schulhof Feldbreite bunte Luftballons in den Himmel steigen – versehen mit ihren eigenen Vorstellungen von einer Welt ohne Rassismus. BILD: Frank Jacob 
von Frank Jacob
Rastede - Kleiner Anstoß, große Wirkung: Mit einem Benefizkonzert für die Menschen im Kosovo fing alles an. Engagierte Schüler eines Politik-Grundkurses an der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Rastede hatten die Veranstaltung organisiert. Kurz darauf gründeten sie die Arbeitsgemeinschaft „Für den Frieden“. Und dann schwappte ihre Begeisterung auf die gesamte Schule über. Im Jahr 2001 erhielt die KGS das Qualitätssiegel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ (siehe Kasten unten rechts).
Zehn Jahre sind seitdem vergangen, die intensiv genutzt wurden, um dieses Siegel mit Leben zu füllen. Das wurde am Donnerstag deutlich, als sich alle Klassen und Kurse mit zahlreichen Aktivitäten an einem Projekttag mit dem Thema Rassismus auseinandersetzten. Außerdem gestalteten die Schüler einen Festakt in der Sporthalle, an dem Landrat Jörg Bensberg, Bürgermeister Dieter Decker, Vertreter des Gemeinderates und viele weitere Gäste teilnahmen.
„Es ist wichtig, Aufmerksamkeit zu erzeugen, damit Rassismus schon in den Anfängen verhindert werden kann“, sagte Bürgermeister Dieter Decker. Schulleiter Gerd Kip betonte, dass das Qualitätsmerkmal „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ der Maßstab für die pädagogische Arbeit sei. „Dieser Titel muss immer wieder mit Leben gefüllt werden“, sagte Kip und sah hier auch eine Aufgabe der Pädagogen, die an der Schule Werte vermitteln müssen. Besonders dankte er Michael Luttmer, dem Leiter der AG „Für den Frieden“, für dessen Engagement.
Die früheren Schülerinnen Yvonne Albrecht und Melanie Philip meinten, es sei „außerordentlich, wie sich das alles weiterentwickelt hat“. Beide gehörten anfangs zur AG „Für den Frieden“.
„Ich finde es toll, dass junge Menschen dieses Engagement zeigen und konkrete Vorstellungen haben, ihre Ideen umzusetzen“, sagte die Vorsitzende der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Oldenburg, Elke Heger, im Gespräch mit den Schülern der AG „Für den Frieden“, die den Festakt moderierten: Anja Beckert, Philipp Kremers, Paul Finke-Engels, Aileen Martens und Elina Onken.
Silvio Peritore vom Dokumentationszentrum Deutscher Sinti und Roma gab einen ganz persönlichen Eindruck davon, wie er Rassismus erlebt: „Bei mir fing es schon ganz früh in der Schule an, als ich erste Mechanismen der Ausgrenzung erlebte.“ Farshid Ali Zahedi, Leiter des Oldenburger Vereins Werkstattfilm, sagte, man begegne Rassismus in der Schule, auf der Arbeit und auf der Straße. „Man muss ständig wachsam sein.“
Den Festakt gestalteten die Schüler nicht nur mit Interviews, sondern auch mit Musik und Tanz. Die Gruppe Lack of Limits spielte Anti-Rassismus-Stücke. Die zehnten Klassen hatten eine Choreographie zu dem Culcha-Candela-Titel „Steh auf“ einstudiert. Zum Abschluss ließen alle Schüler 1000 Luftballons in den Himmel steigen, an denen Wünsche und Vorstellungen von einer Welt ohne Rassismus befestigt waren.
Der Erlös aus dem Projekttag soll verschiedenen Hilfsprojekten zugute kommen.
Seit dem Jahr 2001 trägt die KGS das Qualitätssiegel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Die KGS war damals die 54. Schule, die dieses Siegel erhielt. Der Anspruch findet sich auch im Leitbild der KGS wieder. Partnerschaften zu Schulen im Ausland und zahlreiche Veranstaltungen belegen das Engagement der KGS in diesem Punkt.
Ursprünglich stammt das Projekt aus Belgien. Dort schlossen sich 1988 Schüler und Lehrer zusammen und gründeten „Ecoles sans Racisme“, um dem Erstarken des rassistischen „Vlaams Blok“ ihr Engagement entgegenzusetzen. Über das niederländische Koordinationsforum „School Zonder Racisme“ gelangte die Initiative 1995 nach Deutschland und in weitere europäische Staaten.
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