RASTEDE, 26. November 2011


Käse rollt über Gleise

Historie Lothar Schulz erzählt Geschichte des Bahnhofs


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So sah der Rasteder Bahnhof einmal aus. Lothar Schulz (rundes Bild links) kann sich noch an die gute alte Zeit und die Entwicklung der Station erinnern. BILD: Annika Richter  Bild vergrößern

Der Pensionär kennt die Geschichte der Rasteder Station in- und auswendig. Er war der letzte Schalterbeamte des Residenzortes.

von Annika Richter

Rastede - Am Rasteder Bahnhof schaufeln schon seit einigen Wochen Bagger, und Bauarbeiter in orangenen Westen werkeln ohne Unterlass, um die Bahnstrecke zwischen Rastede und Wilhelmshaven zweigleisig auszubauen. „Bis 1949 war die Strecke schon mal zweigleisig“, sagt Lothar Schulz. „Doch nach dem Zweiten Weltkrieg fielen die Gleise in eine Richtung den Reparationsleistungen zum Opfer.“

Schulz kann sich noch gut an die Geschichte des Rasteder Bahnhofs erinnern. 1955 fing der heutige Pensionär dort als Lehrling an. Bis 1994 arbeitete er an der Station als Schalterbeamter.

Eröffnet wurde der Bahnhof 1867 mit dem Bau der Eisenbahnstrecke Oldenburg-Heppens. Für Gäste des Hofes wurde 1892 ein Fürstenzimmer mit Empfangssalon angebaut, in dem sich sogar Kaiser Wilhelm II. mit dem Großherzog Nikolaus von Oldenburg zum Gespräch traf.

Später, in den 20er Jahren, als man sich noch mit strahlend weißen Taschentüchern am Bahnsteig Adieu winkte, wurde der Rasteder Bahnhof unter Ausflüglern beliebt. „Gäste aus Bremen und umzu kamen mit den sogenannten ,Kaffeezügen‘ hierher, um nach einer Kaffeepause durch den Schlosspark nach Loy zu wandern“, so Schulz. In den 50er Jahren konnte man auch weiter entlegene Ausflugsziele von Rastede aus ansteuern: Es gab direkte Zugverbindungen nach Basel, Oberhausen und Mönchengladbach.

Aber nicht nur Menschen wurden über Rastede transportiert, auch ein Großteil des Güterverkehrs. „Der Käse wurde noch zum Bahnhof gerollt“, erzählt Schulz. Auf Handkarren brachte die Molkerei Rastede täglich 300 bis 400 Kilogramm des damals sehr beliebten „Rasteder Schloß-Camembert“ für Kunden im Umkreis von etwa 100 Kilometern zum Versand.

Angeliefert wurden die Waren über die Ladestraße, die noch für den öffentlichen Verkehr gesperrt war. Am dortigen Ladegleis wurden die Güterzüge be- und entladen – auch mit Vieh. Doch auch edlere Tiere entstiegen schon mal den Waggons. So kam zum Beispiel „Halla“, das Springpferd des Olympiasiegers Hans Günter Winkler, für das Landesturnier des Residenzortes im Güterwagen an.

1976 wurde das alte Bahnhofsgebäude abgerissen und durch einen Zweckbau ersetzt. Und mit dem Wegfall des altehrwürdigen Baus wurden auch die sinkenden Personalzahlen immer offensichtlicher Während Anfang der 50er Jahre noch etwa 30 Personen auf dem Bahnhof beschäftigt waren, begann die Personalreduzierung schon 1965, als die zwei Wärterstellwerke durch ein Elektrostellwerk ersetzt wurden. Ab 1994 gab es auch keine Fahrkartenschalter mehr im Rasteder Bahnhof. Die Karten wurden seitdem im Reisebüro Bruns verkauft. „Doch das gibt es auch nicht mehr“, so Schulz. „Jetzt ist in den Räumen ein Döner-Shop.“

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Schulz war der letzte Schalterbeamte am Rasteder Bahnhof. Er hegt seine Erinnerungen an all die Geschichten, die er dort erlebt hat. Doch wie die Züge rauscht auch die Zeit durch die Station, und dem Pensionär bleibt nichts anderes übrig, als ihr mit einem weißen Taschentuch hinterher zu winken. Adieu!






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