Als europäischer Student ein echter Exot
Austausch Leon Machens nach vier Monaten aus Japan zurückgekehrt – Westersteder schnell integriert
Leon Machens knüpfte schnell Kontakte. Hier stellten sich traditionell gekleidete japanische Frauen mit ihm zum Gemeinschaftsfoto auf. BILD: privat 
von Kerstin Schumann
Westerstede - Leon Machens wollte schon immer nach Japan. Als Student hat er sich diesen Traum endlich erfüllen können. Als erster europäischer Student besuchte er das National College of Technology in Anan, einer Kleinstadt, zwei Kilometer entfernt vom Pazifik und in der Nähe der Großstadt Tokushima.
Der 21-jährige Westersteder studiert in Deutschland an der Fachhochschule Osnabrück Technische Informatik. Bei seinem freiwilligen Praxissemester in Japan forschte er vier Monate lang zum Thema „erweiterte Realität“ und hatte außerdem die Möglichkeit, ein Praktikum bei einer IT-Firma in Tokio zu absolvieren.
Jetzt ist er zurück in der Heimat und berichtete bei einem Besuch im Westersteder Rathaus von seinen vielfältigen Erfahrungen.
Als er in Japan eintraf, tauchte er in eine völlig fremde Welt ein und wurde seinerseits von den Mitstudenten als exotischer Besucher empfunden. Auch die Verständigung war anfangs etwas holprig. „Zwar können viele recht gut Englisch, trauen sich aber nicht, zu sprechen. So wurde vieles aufgeschrieben. Dabei konnte man beispielsweise ein Mobiltelefon mit Übersetzungsprogramm benutzen, das dort viele haben“, erzählt Leon. Ein kolumbianischer Mitstudent ebnete die ersten Kontakte, bis sich der Westersteder mit allen Sitten vertraut gemacht hatte. „Mit Stäbchen essen musste ich erst lernen“, nennt Leon ein Beispiel und berichtet, dass dreimal am Tag Reis und Suppe serviert wurde. Die Disziplin der jungen Leute in Japan habe ihm imponiert, sagt er. „Ältere müssen für die Jüngeren ein Vorbild sein.“ Alle lebten nach sehr strengen Regeln und seien ausgesprochen förmlich. Sogar bei der Art und Weise zu sitzen, gebe es Anstandsregeln. Die Arbeit werde sehr wichtig genommen, und abends gehe man kaum aus, höchstens mal in eine Karaoke-Bar.
Bald schon fand er Anschluss und lernte sogar ein wenig Japanisch. Diese Kenntnisse will er auch nach seiner Rückkehr in Deutschland weiter vertiefen und auch den Kontakt zu den neu gewonnenen japanischen Freunden halten.
Dass Deutsche in Japan angesehen und beliebt sind, das bekam er ebenfalls zu spüren. Unter anderem wurde er als erster europäischer Student des Colleges vom Bürgermeister in Anan und vom Vizegouverneur in Tokushima empfangen. Auch Zeitungen berichteten von seinem Aufenthalt. „Ich war überrascht von diesem Medienrummel“, sagt er rückblickend.
Nach dem eher ländlichen Ambiente in Anan mit Reisfeldern mitten in der Stadt erlebte er dann die Metropole Tokio als starken Kontrast. Auch dieser Aufenthalt sei sehr interessant gewesen, aber er habe sich sehr über die unglaublich teuren Preise in der Stadt gewundert. Hier erlebte er zum ersten Mal in seinem Leben sogar ein kleines Erdbeben mit.
Nach diesem Aufenthalt in Asien voller neuer Eindrücke geht er nun motiviert ins vierte Studiensemester. An seiner Fachhochschule werden dann erstmals drei Gaststudenten aus Anan erwartet, um die er sich besonders kümmern möchte.
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