WESTERSTEDE, 8. August 2011


Mit allen Sinnen an der Kurbel

Sicherheitstraining Kinder und Jugendliche lernen Umgang mit Handbike


Bild

Autogrammstunde mit dem Spitzensportler: Stefan Bäumann (vorne) war zum Start des Projektes nach Westerstede gekommen und hat den Kindern und Jugendlichen Rede und Antwort gestanden. BILD: Martin Fitzl  Bild vergrößern

Die Teilnehmer des Sicherheitstrainings kamen aus ganz Deutschland. Sie sind zwischen sieben und 16 Jahren alt.

von Martin Fitzl

Westerstede - „Man kann längere Strecken schneller damit zurücklegen, und es macht einfach Spaß.“ Was Niklas so begeistert sieht aus wie eine Mischung aus Fahrrad und Rollstuhl, wird mit einer Handkurbel angetrieben und nennt sich Handbike. Niklas ist einer von zwölf Kindern und Jugendlichen mit Behinderung, die auf der Hössensportanlage in Westerstede lernen wollten, wie man sicher mit dem Handbike im Straßenverkehr umgeht.


Eine Woche Training
Eine Woche dauerte das Training, das bundesweit einmalig ist. Noch, denn bald soll das Projekt auch in anderen Städten stattfinden. Ein Konzept werde noch erarbeitet, sagt Sandra Demuth vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR). Zusammen mit den Berufsgenossenschaften und Unfallkassen sowie dem Deutschen Rollstuhlsportverband (DRS) hat der DVR das Pilotprojekt gestartet.

Der Hintergrund: Schüler mit Behinderung sollen mehr und mehr am gemeinsamen Unterricht in allgemeinbildenden Schulen teilnehmen. Das bedeutet auch, dass sie auf ihrem Weg zur Schule am öffentlichen Straßenverkehr teilnehmen müssen. „Mit Rollstuhl geht das nicht so gut wie mit Handbike“, sagt Sandra Demuth.

Doch wie für Fahrrad oder Rollstuhl gilt: Der Umgang mit dem Handbike will gelernt sein. Deshalb wurde den Teilnehmern beigebracht, wie sie in der Gruppe fahren, wie sie sich im Verkehr erkennbar machen und wie sie mit dem Handbike lenken, bremsen und die Richtung wechseln. „Das Fachwissen ist noch nicht so verbreitet“, sagt Ute Herzog vom DRS.

Die Teilnehmer kamen zum Teil von weit her, aus Bamberg oder Lübeck. Ein betreuendes Elternteil war immer dabei. In Westerstede habe man ideale Trainingsbedingungen vorgefunden, sagt Ute Herzog. „Hier ist alles behindertengerecht“, sagt sie. Alles sei an einem Ort und gut erreichbar. Besonders freute sich Ute Herzog über die Resonanz: „Anfangs habe ich gedacht, es meldet sich keiner“, sagt sie. Am Ende gab es mehr Anmeldungen als Plätze.


Autogramme vom Meister
Prominente Galionsfigur des Pilotprojektes ist Stefan Bäumann, Teilnehmer der Paralympics, mehrfacher Gewinner von Europa- und Weltmeisterschaften und Behindertensportler des Jahres 2010. Und den durften die Kinder und Jugendlichen zu Beginn der Woche so richtig ausquetschen: „Wo trainieren Sie?“, „Was ist Ihre Spitzengeschwindigkeit?“, „Wie lange treten Sie noch an?“.

Bäumann stand bereitwillig Rede und Antwort und verteilte auch Autogramme. Im Gespräch mit dem Sportler war schnell der eigene Ehrgeiz angestachelt: Viele verglichen ihre Bestzeiten mit denen des Sportprofis.

ANZEIGE

Sicherheitstipps hatte Bäumann ebenfalls auf Lager: „Ihr müsst mit allen Sinnen fahren“, sagte er. Was er meint: Nicht Musik beim Fahren hören. Danach ging es auf die Piste, und die Kinder und Jugendlichen durften mit Stefan Bäumann um die Wette fahren.

Das Training wird unterstützt von der Präventionskampagne „Risiko raus!“ der Berufs- und Unfallgenossenschaften.

Ziel ist neben mehr Sicherheit auch die Schulung von Trainern, die das Projekt bei sich vor Ort leiten können.

Als Ergebnis sollen die Projekterfahrungen in einer Broschüre zusammengefasst werden.

Die Hössensportanlage bietet laut Ute Herzog vom Deutschen Rollstuhlsportverband optimale Trainingsbedingungen. Sie sei behindertengerecht und alles sei gut erreichbar. Ähnliches gelte auch für Westerstede. Vor allem die verkehrsberuhigten Zonen seien gut, die Stadt sei generell fahrradfreundlich und das ebenerdige Gelände rund um Westerstede eigne sich gut für die Handbiker.






WEITERE ARTIKEL AUS DIESEM RESSORT
Helgoland im Visier der Piloten

24.05.2012 - Wer sich aus Richtung Westerstede kommend der deutschen Nordseeküste nähert, sieht selbst bei gutem Wetter zunächst einmal nichts. Nach Helgoland soll es heute gehen. Dabei werden nach dem Start in Felde die Städte Varel und Wilhelmshaven passiert, bevor es auf das offene Meer geht.mehr

Spätbarock mit feinen Stimmen

24.05.2012 - Eine Zeitreise in das späte Barock können Musik- und Kulturliebhaber jetzt in Westerstede erleben: Die aus der Kreisstadt stammende Sängerin Sigrid Heidemann singt am Pfingstsonnabend, 26. Mai, um 18 Uhr in der St.mehr

Von nützlich bis kurios

24.05.2012 - „Auf zum Flohmaxx“ heißt es wieder am kommenden Pfingstmontag, 28. Mai. Bei Famila in Westerstede werden Groß und Klein von 11 bis 17 Uhr die Möglichkeit haben, Nützliches und Kurioses zu erwerben oder zu verkaufen.mehr

SPD bei Verein für Jugendarbeit

24.05.2012 - Vorstand und weitere Mitglieder des Westersteder SPD-Ortsvereins besuchten jetzt den „Förderverein für Jugendarbeit in Halsbek“ („Uschi“). Der Verein hat es sich zum Ziel gesetzt, für die Jugend in Halsbek Räume und darin stattfindende eigene Angebote zur Verfügung zu stellen.mehr

DLRG bietet Kursus für Wasserrettung

24.05.2012 - Die DLRG Westerstede richtet ab Dienstag, 29. Mai, einen Lehrgang für Rettungsschwimmer im Westersteder Hallenfreibad aus. Dieser beinhaltet alle elementaren Wasserrettungstechniken. Absolventen erhalten das Deutsche Rettungsschwimmer-Abzeichen in Bronze oder Silber.mehr

TIPP DER WOCHE
Anzeige
Umfrage

Steigt Fortuna Düsseldorf nach den Ausschreitungen beim Relegationsspiel zu Recht in die Fußball-Bundesliga auf?




Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Textfeld! Captcha
Marktplatz
Regional
Immobilien
Automarkt
Flohmarkt

Jobs
NWZ-Wetter
23 °C
11 °C
Details/Prognose Wetterwarnung Regenradar
 
RSS-Dienste RSS-Dienste | RSS-Dienste Webcams | Mobil | Kontakt | Impressum | Login
AktuellesAus der RegionKundenserviceMarktplatzRat und Tat