Bürger schlagen Radweg-Kompromiss vor
Einwohnerversammlung Ausbau bis zur Bushaltestelle als Alternative eingebracht – Einstimmiges Votum
Einstimmig sprachen sich die Bürger dafür aus, dass ein Radweg bis zur Bushaltestelle besser ist als gar keiner. BILD: Binkenstein 
von Sandra Binkenstein
Wiefelstede - In der jüngsten Sitzung des Straßen- und Verkehrsausschusses hatte Vorsitzender Heinz-Gerd Claußen (CDU) klargestellt: Ein Radweg zwischen Nutteler Kreuz und Thienkamp (Kosten: 250 000 Euro) sei, so habe es die Verwaltung dargestellt, nicht finanzierbar. Grünen-Fraktionsvorsitzender Jens-Gert Müller-Saathoff aber wollte einen Beschluss verschieben und die Einwohnerversammlung der Bürger von Nuttel, Wemkendorf und Bokel abwarten. „Mal hören, was die Einwohner wollen“, hatte Müller-Saathoff gesagt.
Am Dienstagabend war der Saal in Claußens Gaststätte bis auf den letzten Platz besetzt. Die Einwohner waren gerne bereit, ein weiteres Mal ihren Standpunkt klar zu machen, aber Verständnis hatten sie nicht – es machte für viele von ihnen den Anschein, als wüsste die Politik immer noch nicht, was die Bürger wollen. Dabei hatte es sogar schon eine Unterschriftenaktion gegeben. Und was sie wollen sei seit vielen Jahren klar, sagten die Anwesenden: den Radweg vom Nutteler Kreuz bis zum EWE-Gebäude.
Mehrere aufgebrachte Nutteler verliehen ihrer Enttäuschung darüber Ausdruck, dass sie schon wieder erklären sollten, warum der Radweg ihrer Meinung nach her muss. Die Kreuzung sei die gefährlichste Stelle im gesamten Gemeindegebiet, sagte ein Bürger, andere stimmten ihm zu. Ihren Kindern erlaubten sie nicht, die Kreuzung allein zu überqueren, lieber schickten sie sie auf einen rund anderthalb Kilometer langen Umweg. „An der Kreuzung bräuchte ich drei Augen“, sagte Jörg Weden (SPD).
„Muss etwas passieren“
Eines wurde deutlich: Die Einwohner bestehen darauf, dass etwas getan wird. „Es muss jetzt endlich etwas passieren. Ich habe es schon nicht geschafft, dass meine Kinder die Kreuzung sicher überqueren können. Jetzt habe ich Angst, dass bis ich alt bin immer noch nichts passiert ist an dieser gefährlichen Stelle“, brachte ein Anwohner das Anliegen der Bürger auf den Punkt. Er habe schon fast den Glauben daran verloren, dass überhaupt etwas verbessert wird. Fachausschuss-Mitglied Manfred Rakebrand (SPD) sagte, er habe den Glauben daran noch nicht verloren. Er erklärte, warum der Radweg jetzt in der Einwohnerversammlung zum Thema wurde: „UWG, FDP und CDU hätten das abgeschmettert, deswegen wollten wir, dass Sie uns noch mal den Rücken stärken.“ Bürgermeister Völkers verhinderte, dass die Einwohnerversammlung zu einer parteipolitischen Diskussion der Ausschuss- und Ratsmitglieder ausartete.
Alternativvorschlag
Die Bürger wollten schließlich ihre Chance nutzen und erneut klar machen, wie zwingend sie den Handlungsbedarf an der Kreuzung sehen. Sie zeigten sich kompromissbereit. So brachte ein Nutteler den Vorschlag ein, den Radweg nicht bis zum EWE-Gebäude, sondern nur bis zur Bushaltestelle anzulegen, was kostengünstiger, aber schon ein erheblicher Fortschritt im Vergleich zur jetzigen Situation wäre.
Bürgermeister Helmut Völkers, der die Versammlung leitete, rief zur Abstimmung auf. Einstimmig sprachen sich die Bürger dafür aus, dass es sinnvoll wäre, als Alternative zum Radweg zwischen Nutteler Kreuz und Thienkamp einen Radweg bis zur Bushaltestelle, gegebenenfalls einschließlich einer Überquerungshilfe, in Betracht zu ziehen – sollte der zunächst angedachte Radweg tatsächlich „nicht mehrheitsfähig“ sein, wie der Fachausschussvorsitzende Claußen gesagt hatte. Rats- und Ausschussmitglieder waren von der Abstimmung ausgeschlossen.
Das Ergebnis der Einwohnerversammlung werde er „in den nächsten Fachausschuss mitnehmen“, versprach Bürgermeister Völkers. Im nächsten Schritt könnte der Fachausschuss der Verwaltung den Auftrag geben, diesen Alternativvorschlag zu prüfen.
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