RAMSLOH, 15. April 2010


Eine Jugend hinter Gitterstäben

vortrag Stasi-Zeitzeuge Rainer Dellmuth berichtet über sein Schicksal in der DDR


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BILD: Thomas Neunaber  Bild vergrößern

Anschaulich schilderte der ehemalige Häftling sein Schicksal in der DDR. Bei seinem Vortrag erfuhren die Schüler auch Parallelen zwischen dem SED-Regime und der Nazi-Zeit.

von Thomas Neunaber

Ramsloh - Noch heute wacht Rainer Dellmuth manchmal nachts in seinem Bett schweißgebadet auf, sein Herz rast und er hat Todesangst. „Posttraumatische Belastungsstörung nennt man das“, berichtet Rainer Dellmuth den Schülern der 10. Jahrgangsstufe des Laurentius-Siemer-Gymnasiums. Es sind die Erinnerungen an die Zeit in DDR-Gefängnissen, die seiner Seele auch nach fast dreißig Jahren keine Ruhe geben. „Die DDR war keine Kuschel-Diktatur, sondern ein Unrechtsstaat“, so Rainer Dellmuth. Wer sich gegen das Regime auflehnte, hatte mit harten Konsequenzen zu rechnen.

Trotz der drohenden Konsequenzen wollte und konnte der westlich und christlich erzogene gebürtige Köpenicker seine „Berliner Schnauze“ nicht halten und geriet bereits mit 18 Jahren ins Visier der Staatssicherheit der DDR. Mit knapp 19 Jahren landete er wegen „hetzerischen Äußerungen“ zum ersten Mal für ein Jahr im Gefängnis. Die Atmosphäre hinter Gittern aus Qual und Angst drücken auf Dellmuths Psyche. Aus dem Gefängnis entlassen, beginnt er eine Lehre als Drucker. Weil Dellmuth dem „Arbeiter- und Bauernparadies“ ohne Genehmigung wenig später den Rücken kehren wollte, landete er noch einmal im Gefängnis, ehe er 1972 von der Bundesrepublik frei gekauft wurde.

Für den heute 61-Jährigen sind die DDR-Schergen die „Erben des Dritten Reiches“. Die durchorganisierte DDR-Diktatur habe sich in ihrer Organisationsstruktur, etwa mit Jugend- und Frauenverbänden und der Staatssicherheit, an der ehemaligen Nazi-Diktatur orientiert.

In seinen Augen müsste die DDR-Zeit viel stärker im Geschichtsunterricht an den Schulen Platz finden, damit sich die nach dem Mauerfall Geborenen ein realistisches Bild von der „2. Deutschen Diktatur“ machen könnten.

Am Mittwochvormittag bekamen die beiden zehnten Klassen des LSG schon mal von einem Zeitzeugen Begriffe wie „Antifaschistischer Schutzwall“, „SED“ oder den Begriff „Erdmöbel“ (Särge) näher gebracht. Flapsig sprach der Ostberliner von „Taschenkrebsen“ (Zollmitarbeitern) oder „Laubfröschen“ (Volkspolizisten), die den Menschen das Leben erschwerten. Nur einmal gerät Dellmuth ins Stocken, als ihn jemand fragt, ob es nicht auch Positives in der DDR gegeben habe. „Ja, das Zusammensein mit meinen Mitmenschen habe ich in der DDR als sozialer, netter und unverkrampfter empfunden als hier“.

1948 kam Rainer Dellmuth in Berlin-Köpenick zur Welt. Bereits 1965 begann die Stasi mit der Überwachung des damals 17-jährigen Druckerlehrlings. Er war wegen „hetzerischer Äußerungen” gegen die DDR aufgefallen.

1967 wurde Dellmuth wegen versuchter Republikflucht nahe der thüringisch-bayerischen Grenze verhaftet und zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Nach seiner Entlassung arbeitete Dellmuth in Ost-Berlin als Drucker. Über die Berliner Musikszene unterhielt er Westkontakte.

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Fluchtversuch in Berlin scheiterte 1972. Zu zwei Jahren Haft verurteilt, kam Rainer Dellmuth im November 1972 wegen einer Amnestie frei. Unmittelbar darauf erfolgte die Ausreise des mittlerweile 24-jährigen aus der DDR in die Bundesrepublik.

in den Westen arbeitete er in verschiedenen Berufen. Seit zehn Jahren ist er als Referent in der Stasi-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen.






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