Empörung über Abschuss
WEIßER HIRSCH Polizei und Kreis rechtfertigen Entscheidung: „Gefahr für Verkehr“
Schönheit der Natur: Die NWZ-Leser Swantje und Hauke Seidemann aus Schortens fotografierten den seltenen weißen Hirsch – kurz bevor er am Donnerstag erlegt wurde. NWZ-LESER-BILD: SEIDEMANN 
VON ULRICH SCHÖNBORN
Jever/schortens - Der weiße Hirsch, der am Donnerstag an der Jeverschen Landstraße erlegt wurde, habe eine „drohende Gefahr für den Straßen- und Bahnverkehr“ bedeutet. Deshalb hätten Polizei und Landkreis einvernehmlich beschlossen, das seltene Tier zum Abschuss freizugeben, so die beiden Behörden am Montag in einer Pressemitteilung.
Der Fall hat am Wochenende im Jeverland für Aufsehen gesorgt. Bei der NWZ meldeten sich viele empörte Bürger. Das Tier, dessen seltene Fellfarbe auf einen Gen-Defekt zurückzuführen ist, war am Donnerstag von Passanten auf einer Weide an der Jeverschen Landstraße gesehen und aus nächster Nähe fotografiert worden (die NWZ berichtete).
Der Hirsch habe sich zu einer Jungrinder-Herde gesellt, im Schritttempo bewegt und einen friedlichen Eindruck gemacht, erzählt etwa Swantje Seidemann aus Schortens, die gemeinsam mit ihrem Mann Hauke den Hirsch fotografiert und die Bilder an die NWZ geschickt hat.
„Der Hirsch war ganz zutraulich, ich konnte problemlos bis auf 15 Meter dicht an ihn heran“, berichtet Hauke Seidemann.
Die Polizei und der Landkreis als Untere Jagdbehörde schilderten am Montag in einer gemeinsam veröffentlichten Presseerklärung den Fall aus Ihrer Sicht: Der zuständige Jagdpächter habe der Polizei mitgeteilt, dass ein Hirsch über die B 210 gewechselt sei, nachdem er eine Jungherde getrieben habe. Er halte sich nun im Dreieck zwischen der B 210, der Addernhausener Straße und den Bahngleisen auf. Der Hirsch zeige zudem typisches Brunftverhalten. Deshalb sei zu befürchten, dass der Instinkt der Tiere, Gefahren zu vermeiden, vermindert sei.
„Der Hirsch konnte in dieser Situation jederzeit eine der Straßen queren, mit Einsetzen der Dunkelheit und des Feierabendverkehrs waren hier Unfälle zu befürchten“, heißt es weiter.
Nach „sorgfältiger Abwägung der Gefahrenlage“ habe die Polizei in Abstimmung mit dem Landkreis „unter Zeitdruck und mit Blick auf die drohende Gefahr für Bürger im Straßenverkehr“ beschlossen, das Tier erlegen zu lassen. Eine „zeitaufwendige und risikoreiche Betäubung“ sei keine vertretbare Alternative gewesen. Auch wenn die Entscheidung unpopulär sei, habe hier der Grundsatz gegolten: „Mensch vor Tier“.
Grundsätzlich, so Kreis-Sprecher Sönke Klug, könne die Kreisverwaltung einen nicht im Plan stehenden Abschuss bewilligen.
Frieslands Kreisjägermeister Peter Wienke (Varel) hatte erst am Freitag von der NWZ erfahren, dass der weiße Hirsch erlegt wurde. „Ich habe die Situation zur Kenntnis genommen“, sagte er am Montag nach Rücksprache mit Polizei und Kreisamt: „Wenn es so war, wie es im Bericht steht, war der Abschuss wohl notwendig – auch wenn es mir als Jäger um das seltene Tier, das eine Schönheit der Natur ist, sehr leid tut.“
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