CDU lehnt zweite Gesamtschule in Friesland ab
BILDUNG „IGS würde bestehende Schulen verdrängen“ – Zweifel an pädagogischen Vorteilen
Diskutierten über Bildungspolitik: der CDU-Landtagsabgeordnete Clemens Lammerskitten (Mitte) mit Christel Bartelmei und Frank Vehoff vom Schul-Arbeitskreis der CDU. BILD: SCHÖNBORN 
Jever - Der Schul-Arbeitskreis der CDU Friesland lehnt eine von der SPD geforderte zweite Gesamtschule im Südkreis ab. „Diese Schulgründung würde zu Lasten bestehender Schulen gehen und so die Wahlfreiheit der Eltern einschränken“, sagte die Sprecherin des Arbeitskreises, Christel Bartelmei aus Bockhorn, bei einem Treffen mit dem CDU-Landtagsabgeordneten Clemens Lammerskitten in der CDU-Kreisgeschäftsstelle in Jever.
Lammerskitten ist Mitglied im Kultus-Ausschuss und vertrat den CDU-Bildungsexperten Karl-Heinz Klare, der das Gespräch in Jever kurzfristig absagen musste.
Die CDU setzt laut Christel Bartelmei auf ein differenziertes Schulsystem, in dem die Eltern Wahlmöglichkeiten haben. Die Gründung der IGS in Schortens habe bereits dazu geführt, dass die dortige Realschule und die gut funktionierende Hauptschule abgeschafft werden. Kinder aus Schortens, die die Haupt- oder Realschule besuchen sollen, müssen nach Sande fahren. Einen ähnlichen Effekt befürchtet der CDU-Arbeitskreis bei der Gründung einer weiteren IGS im Südkreis. Darunter könnte zum Beispiel das Schulzentrum in Bockhorn leiden.
Grundsätzlich habe die CDU nichts gegen Gesamtschulen, betonte Bartelmei. Ihre Einrichtung dürfe aber nicht dazu führen, dass andere wohnortnahe Schulformen wegfallen. Studien belegten, dass die IGS keine pädagogischen Vorteile biete.
Ein weiteres Diskussionsthema war das Abitur nach zwölf Jahren. Die Reform sei mit der „heißen Nadel gestrickt“ worden, kritisierte Bartelmei. Wichtig sei nun, die Lehrpläne den neuen Bedingungen anzupassen und die Unterrichtsinhalte entsprechend zu ändern.
Besonders hart betroffen sei der erste Jahrgang, der jetzt quasi die elfte Klasse überspringt und das Abitur nach zwölf Jahren ablegt. Lammerskitten wies darauf hin, dass der zahlenmäßig große „Doppeljahrgang“, der demnächst gemeinsam das Abitur ablegt, auch Chancen für die Wirtschaft biete. „Viele Betriebe beklagen sich bereits über einen Mangel an Auszubildenden“, so Lammerskitten.
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