JEVER, 9. März 2010


Fachfirma untersucht Baugrund

ALTSTADTQUARTIER Ausgrabung beginnt – Landesamt fühlt sich ausgebootet


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Nach den Abrissarbeiten im künftigen Altstadtquartier zwischen St. Annen- und Großer Wasserpfortstraße sind die Archäologen am Zug: Sie sollen den Baugrund im historischen Stadtzentrum untersuchen und die Funde sichern. BILD: ULRICH SCHÖNBORN Bild vergrößern

VOR DEN BAUARBEITEN MÜSSEN ARCHÄOLOGEN DEN BODEN UNTERSUCHEN UND FUNDE SICHERN. DER „ZUSCHLAG“ GING NICHT ANS LANDESAMT FÜR DENKMALPFLEGE, SONDERN AN EINE PRIVATFIRMA.

VON ULRICH SCHÖNBORN

Jever - Der Großteil der Abrissarbeiten im künftigen Altstadtquartier ist beendet, nun sind die Archäologen am Zug. Wie berichtet, sind archäologische Untersuchungen Bestandteil der Baugenehmigung für das Großprojekt im historischen Stadtkern.

Nach Angaben von Stadt-Kämmerer Dietmar Rüstmann soll eine private Fachfirma mit den Ausgrabungen beauftragt werden, der endgültige Vergabebeschluss fällt nach Informationen der NWZ an diesem Dienstag im Verwaltungsausschuss. Für die baubegleitenden Ausgrabungen sind Rüstmann zufolge etwa drei Monate eingeplant.

Bei der Bezirksarchäologin Dr. Jana Esther Fries vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege, die bereits für die archäologischen Ausgrabungen auf dem Kirchplatz zuständig war (die NWZ berichtete), stößt die Auftragsvergabe der Stadt mit Blick auf das Altstadtquartier auf Unverständnis und Kritik. Sie habe das Projekt in den vergangenen zwei Jahren fachlich begleitet und fühle sich nun ausgebootet, sagte sie am Montag.

„Offene Fragen“

Es gebe „diverse offene Fragen“ zur Leistungsbeschreibung, zur fachlichen Begleitung und zur Auswertung und Sicherung der Funde, so Dr. Fries. Zudem befürchtet sie, dass bei den Abrissarbeiten bereits historische Kelleranlagen in Mitleidenschaft gezogen wurden. Diese Sorge ist nach Angaben des Planers und Architekten Friedel Meyer unbegründet. Wo noch Keller vorhanden seien, seien die Gebäude oberflächlich abgerissen worden und der Schutt zum Teil sogar liegen geblieben und nicht abgetragen worden.

Grundsätzlich sei gegen den Einsatz einer Fachfirma nichts einzuwenden, betont Dr. Fries. Die Art und Weise, wie die Stadt mit der Ausgrabung umgehe, sei aber nicht nur fachlich fragwürdig, sondern zeuge auch von einem schlechten Stil.

Rüstmann weist diese Vorwürfe zurück. Die Stadt habe sich neben einem Kostenvoranschlag der Landesbehörde auch mehrere Angebote von Fachfirmen eingeholt und sich dann für das günstigste Angebot entschieden. Bei einem Kostenrahmen von 230 000 Euro, der zunächst im Raum stand, sei es selbstverständlich, dass man Alternativen prüfe. Der Landkreis Friesland als untere Denkmalschutzbehörde müsse der Auftragsvergabe zustimmen. Insofern sei gesichert, dass die Fremdfirma auch über die entsprechende Qualifikation verfüge.

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Auftragsvergabe genehmigt

Der Leiter der Denkmalschutzbehörde beim Landkreis Friesland, Dr. Martin Dehrendorf, bestätigte, dass die Auftragsvergabe geprüft und genehmigt worden sei. Sie sei zudem mit dem Landesamt für Denkmalpflege abgestimmt worden.

Pikant an der Sache: Die Landesbehörde bleibt für die amtliche fachliche Begleitung der Ausgrabung zuständig – auch wenn sie bei der Auftragsvergabe nicht zum Zuge kommt. Das Landesamt muss also Dienstleister beaufsichtigen, mit denen es – wie im Fall Jever – zuvor bei der Auftragsvergabe quasi im Wettbewerb stand.


 



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