JEVER, 12. März 2010


Jugendamt will seine Strukturen verbessern Prüfung Unternehmensberatung stellt Behörde gutes Zeugnis aus – Nur kleine Korrekturen – 40 000 Euro Kosten

DIE ARBEITSTEILUNG KÖNNTE BESSER FUNKTIONIEREN. KÜNFTIG SOLLEN ARBEITSVERTRÄGE UNBEFRISTET GESCHLOSSEN WERDEN.

VON TIMO EBBERS

Jever - Auf den Prüfstand hat sich der Fachbereich Jugend und Familie des Landkreises Friesland in den vergangen Monaten gestellt: Die Holger Grebe Unternehmensberatung hatte seit vergangenem Herbst die Organisation des Jugendamtes geprüft. Das Ergebnis: „Ein kerngesunder Patient, der bundesweit hohe Aufmerksamkeit genießt“, lobte Grebe bei der Präsentation am Donnerstag. Der Erste Kreisrat Peter Wehnemann und der Leiter des Jugendamtes, Otmar Mammen, nahmen die Ausführungen Grebes zufrieden zur Kenntnis.

Personell gut aufgestellt

Personell sei der Fachbereich mit seinen etwas mehr als 50 Mitarbeitern richtig bemessen, sagte der Unternehmensberater. Weder Kündigungen noch Neueinstellungen seien notwendig. „Es ist ein Nullsummenspiel“, führte Grebe aus – und leitete zu den Vorschlägen für eine effizientere Arbeitsweise über.

Fachkräfte, so Grebe, könnten kleinere verwaltungstechnische Aufgaben an andere Mitarbeiter übertragen, um sich besser auf ihre Aufgaben zu konzentrieren. Zudem riet Grebe dazu, unbefristete Arbeitsverträge anzubieten. „Sozialarbeiter werden händeringend gesucht“, erläuterte er. Ein Zeitvertrag, etwa auf 18 Monate beschränkt, sei nicht attraktiv; außerdem verlange die Sozialarbeit Kontinuität. Zurzeit sind etwa ein Dutzend Mitarbeiter des Jugendamtes befristet beschäftigt. Wehnemann kündigte an, dass einigen von ihnen bereits in den kommenden Wochen unbefristete Verträge angeboten werden.

Vernetzung

Zudem riet Grebe zu einer besseren Vernetzung mit anderen Behörden. Ein Beispiel: Im Falle eines Vaters, der die fälligen Unterhaltszahlungen verweigert, gleichzeitig aber Arbeitslosengeld II bezieht, sei es sinnvoll, dass das Jugendamt und das Jobcenter sich absprächen: „Damit nicht zwei Behörden auf eine Person angesetzt werden.“

Andere Fachbereiche müssten besser darauf eingehen, dass das Jugendamt ein „sehr dynamisches Subsystem“ sei. Das heißt: Schnelle, flexible Entscheidungen sind nötig. Falls ein Mitarbeiter ein Fahrzeug für einen dringenden Einsatz benötige, dürfe er im Fuhrpark nicht einfach abgewiesen werden – es müsse kreativ überlegt werden, wo ein Fahrzeug aufzutreiben sei. Dies sei eine Mentalitätsfrage.

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Das Klima innerhalb des Jugendamtes könne etwa durch Betriebsfeiern verbessert werden.

Grebe empfahl eine Organisation nach dem Prinzip der „Sozialräume“. Gegenwärtig seien Mitarbeiter für einzelne Funktionen über den ganzen Landkreis hinweg zuständig. Besser sei es, verschiedene Funktionen auf einzelne Regionen zu konzentrieren, um Brennpunkten besser gerecht zu werden.

Viele Vorschläge zu diesem „Feinschliff“ würden bereits umgesetzt. Wehnemann kündigte an, dass sich der Kreis dabei von Dienstleistern beraten lassen werde: von der Holger Grebe Unternehmensberatung, eventuell auch von weiteren Anbietern. Grebe schätzte, dass es rund eineinhalb Jahre dauern werde, bis alle Vorschläge umgesetzt seien. In dieser Zeit könnten einzelne Beratungen nach Bedarf erfolgen.

Neue Anforderungen

Bislang hat die Überprüfung der Behörde rund 40 000 Euro gekostet, berichtete der Erste Kreisrat am Donnerstag. Gründe für die Überprüfung waren neue Anforderungen an die Jugendämter, etwa durch Änderungen des Kinderschutzgesetzes.

Die Vorfälle verwahrloster Kinder – etwa der Fall Kevin in Bremen – hätten die Arbeit von Jugendämtern auch öffentlich infrage gestellt. Deshalb habe sich das Amt selbst auf den Prüfstand gestellt, erläuterte Peter Wehnemann.


 



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