Goldmann im Kreuzfeuer der Bauern

PODIUMSDISKUSSION Vorsitzender des Agrarausschusses im Bundestag referiert bei der Volksbank


Bild

Landwirte aus dem Jeverland diskutierten am Freitag auf Einladung der Volksbank Jever mit dem Vorsitzenden des Agrarausschusses im Bundestag, Hans-Michael Goldmann (rechts). BILDER: TIMO EBBERS Bild vergrößern

HANS-MICHAEL GOLDMANN STELLTE DEN LANDWIRTEN EINEN NOCH STÄRKEREN WETTBEWERB IN AUSSICHT. DIE LANDWIRTE STELLTEN VIELE KRITISCHE FRAGEN.

VON TIMO EBBERS

Jever - Es war ein fruchtbares Aufeinandertreffen: Engagierte Landwirte aus der Region trafen auf Hans-Michael Goldmann (FDP), den Vorsitzenden des Agrarausschusses im Bundestag. Die Volksbank Jever hatte dieses „Bauern-Frühstück“ mit Vortrag und anschließender Podiumsdiskussion organisiert.

„Unsere Landwirte hatten es in den vergangenen Monaten nicht leicht“, erläuterte Michael Engelbrecht, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Jever, den Hintergrund der Veranstaltung. „Wir wollten unseren Kunden Gelegenheit geben, ihre Sorgen direkt einem Politiker aus Berlin zu schildern.“ Goldmann habe auf die Einladung der Volksbank schnell und unkompliziert zugesagt, lobte Engelbrecht seinen Gast.

Kritik an Subventionen

Goldmann begann mit einem Referat zu den gegenwärtigen Entwicklungen der Gemeinsamen Agrarpolitik in der EU, die er aus der Perspektive der FDP nachzeichnete: Eingriffe in die Marktwirtschaft sollten nur als letztes Mittel eingesetzt werden. Dies gelte auch für Agrarsubventionen, unter denen schließlich die ärmsten Länder zu leiden hätten. Es sei ohnehin davon auszugehen, dass der Weg zu einer stärker marktorientierten Landwirtschaft fortgesetzt werde. Auch, dass die Milchquotenregelung ab 2015 nicht verlängert wird, werde den Wettbewerb verschärfen.

Anschließend gab es Gelegenheit, mit Goldmann einzelne Fragen zu diskutieren. Etwa, ob die Bundesregierung die Interessen der Landwirte überhaupt vertreten könne – oder ob die EU alles regele. Goldmann verwies auf das Gewicht Deutschlands in der EU: „Wenn Deutschland nein sagt, passiert nicht viel.“ Er räumte aber ein, dass die entscheidenden Kompetenzen bei der EU liegen: „Die Agrarmusik spielt in Europa.“

Hitzige Debatte

Hitzig wurde es, als mehrere Landwirte die Verteilung der Gelder aus dem Agrarhaushalt der EU kommentierten: Nur die erste Säule dieses Haushalts komme den Landwirten direkt zugute, aus der zweiten Säule würden „ländliche Entwicklungen“ finanziert, die allen Bürger zugute kämen. Goldmann hielt eine Diskussion um Unterschiede in der Vergabe von Prämien für müßig. „Das interessiert einfach niemanden“, sagte er nach der Diskussion gegenüber der NWZ.

ANZEIGE

Auch Goldmanns Empfehlung, die Landwirte sollten ihre Milch „länger festhalten“, sprich: selbst vermarkten, stieß auf Kritik seitens der Landwirte. Die Chancen seien gering, viele Milcherzeugergemeinschaften seien daran schon gescheitert. Dabei zeigte Goldmann durchaus Verständnis für die schwierige Lage der Milchbauern: „Wenn sie keine Hilfe bekommen, wird es ihnen auf Dauer nicht gut gehen.“

Konstruktiv wurde eine Anregung des Vorsitzenden des Kreislandvolks, Hartmut Seetzen, diskutiert. Er wies Goldmann auf den Entwurf zu einer neuen Anlagenverordnung hin, den das Umweltministerium im Dezember 2009 formuliert hat. Darin, so Seetzen, würden die Richtlinien etwa für Silageplätze und Lagerung von Gülle massiv verschärft. „Wir werden in einen Topf mit Betreibern von Atomkraftwerken geworfen“, klagte Seetzen. Die neuen Verordnungen seien bei Bauten nachträglich kaum umzusetzen und stünden auch nicht in Einklang mit EU-Richtlinien. „Wir befürchten eine großen Wettbewerbsnachteil für die deutschen Landwirte“, sagte Seetzen.

Goldmann zeigte sich für diesen Hinweis dankbar. „Darum werde ich mich kümmern“, versprach er.


FUNKTIONEN
13.03.2010
Empfehlen Sie uns weiter:


Leserkommentare (0)
Wie ist Ihre Meinung? Um Artikel kommentieren zu können, benutzen Sie bitte diese Kommentarbox. Auf der Folgeseite können Sie sich registrieren bzw. mit Ihrem NWZ-Zugang anmelden. Beachten Sie dabei unsere Diskussionsregeln.




WEITERE ARTIKEL AUS DIESEM RESSORT

Spiel, Spaß und Musik rund um den Kirchturm

Am Sonntag, 5. September, findet in St. Marien in Jever das diesjährige Gemeindefest der katholischen Kirchengemeinde St. Benedikt statt. Erstmalig wird es in diesem Jahr vom neuen Ortsrat organisiert, der sich im Frühjahr neu zusammengesetzt hat. Da in dem Rat alle Altersgruppen vertreten sind, ist ein buntes Programm für Jung und Alt zusammengestellt worden.
Das Fest beginnt um  9.30mehr

Lottogewinn komplett verjubelt

Es war schon eine Sensation, als Walter Knoblauch aus Wittmund am 16. Dezember 1956 eine halbe Million Mark gewann. Das „Berliner Zahlenlotto“, das 1952 eingeführt wurde und sich von der ursprünglichen Wettform „5 aus 90“ auf „6 aus 49“ plus Zusatzzahl umgestellt hatte, wurde 1956 in der Bundesrepublik Deutschland eingeführt, damals noch mit einer Gewinnhöchstgrenzemehr

Karten für Konzertnacht auf dem Brauhof

Seit Wochen sind die Eintrittskarten zum Abendkonzert des Brauereifests des Friesischen Brauhauses zu Jever am 11. September mit Mark Medlock, Stanfour und Hot Chocolate ausverkauft. Leser der NWZ  haben dennoch die Möglichkeit, noch Karten zu ergattern. Wir verlosen fünfmal zwei Freikarten für das Großereignis.
Und so geht es: Füllen Sie einfach nebenstehenden Coupon aus undmehr

Scharfe Kritik an Strategie der Stadtverwaltung

Als „schäbig“ hat der Dorfbürgerverein Sandelermöns die Entscheidung der Stadtverwaltung bezeichnet, das Kaufangebot des Vereins für das Kindergartengebäude in Sandelermöns abzulehnen. „Die Stadtverwaltung favorisiert einen teilweisen Leerstand der Immobilie“, schreibt der Geschäftsführer des Vereins und SWG-Ratsherr Udo Albers. Der Vereinsvorsitzende Berthold Tjardes verweistmehr

Sprechstunde fällt aus

Die Sprechstunde der Behindertenbeauftragten des Landkreises Friesland, Manon Schumacher, fällt an diesem Donnerstag, 2. September, aus. Manon Schumacher bietet ab Oktober ihre Sprechstunde wieder wie gewohnt jeden ersten Donnerstag im Monat (beginnend mit dem 7. Oktober) von 14 bis 16 Uhr im Kreishaus an. Wer einen anderen Termin vereinbaren möchte, kann die Behindertenbeauftragte unter Tel. 04453/939 823mehr

Anzeige
Umfrage

Wie schätzen Sie die Sicherheit von Online-Banking ein?




NWZ-Wetter
NWZ-Wetter
Vorschau
Wetterfrosch
Panorama-Tour Oldenburg

SONDERTHEMEN
Sonderthemen
 
RSS-DiensteRSS-Dienste| RSS-DiensteWebcams| Kontakt| Impressum| Login
AktuellesAus der RegionKundenserviceMarktplatzRat und Tat