Langes Verfahren kommt auf Zielgerade
Natur Moorland soll geschützt werden – Kritik sowohl von Landwirten als auch von Naturschützern
Armin Tuinmann von der Naturschutzbehörde des Landkreises Friesland erklärte den Ausschussmitgliedern im Moorland das Landschaftsschutzgebiet. BILD: Ulrich Schönborn 
von Ulrich Schönborn
Jever - Den einen geht der Schutz viel zu weit, den anderen nicht weit genug: Die Pläne für ein Landschaftsschutzgebiet im Moorland zwischen Jever und Schortens sorgen seit Jahren für Konfliktstoff. Nun tritt das Verfahren in eine entscheidende Phase: Der Landkreis hat die Pläne öffentlich ausgelegt und um Bedenken und Anregungen gebeten. Nun muss abgewogen werden, ob die Eingaben in den Planungsprozess einfließen oder abgelehnt werden.
Wie berichtet, soll das Moorland in zwei Bereiche gegliedert werden. Zone eins umfasst besonders schützenswerte Flächen, die sich seit der kürzlich abgeschlossenen Flurbereinigung überwiegend in kommunalem Besitz befinden. Zone zwei umfasst landwirtschaftlich genutzte Flächen.
Landwirte, die diese Flächen bewirtschaften, fürchten Einschränkungen durch die Ausweisung als Landschaftsschutzgebiet. Naturschützer kritisieren dagegen, dass sich die Schutzzonen nicht an fachlichen Kriterien, sondern primär an Besitzverhältnissen orientieren. Eine entsprechende Stellungnahme hat auch die Stadt Jever abgegeben.
Auch Tuinmann räumte ein, dass es sich bei der Zonierung um einen Kompromiss handelt. Ein Arbeitskreis, an dem auch betroffene Landwirte und das Landvolk beteiligt seien, habe diesen Kompromiss ausgehandelt. Das Landvolk hatte allerdings immer betont, dass es am liebsten auf eine Unterschutzstellung verzichten würde.
Die Bedenken der betroffenen Landwirte sind laut Tuinmann unbegründet. In Zone zwei sei wie bisher eine ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung zulässig. „Die Landwirte dürfen die Flächen mähen, beweiden und düngen“, so Tuinmann. Ein Umbruch von Weide- und Ackerland sei aufgrund der geltenden Rechtsprechung schon jetzt nur auf Antrag und mit entsprechenden Ausgleichsmaßnahmen möglich. Die Hofstellen seien explizit ausgenommen worden, um mögliche Erweiterungen oder Umstrukturierungen nicht zu behindern. Konfliktpotenzial birgt noch der Moorlandsweg als zentraler Erschließungsweg. Die Stadt Schortens will ihn der stärker geschützten Zone eins zuschlagen, um ihn in seiner jetzigen Form zu erhalten. Tuinmann plädierte dafür, den Weg der Zone zwei zuzuordnen, um die Nutzungs- und Ausbaumöglichkeiten nicht übermäßig einzuschränken.
Durch die Ausweisung des Landschaftsschutzgebietes soll das gesamte großflächige und offene Niederungsgebiet in einer Bucht der Oldenburgisch-Ostfriesischen Geest erhalten werden (siehe Info-Kasten). Ziel ist, die charakteristischen und als Grünland genutzten Niedermoorböden mit ihren Übergängen zur Geest und Marsch sowie die dort heimischen Tiere und Pflanzen und das gesamte Landschaftsbild zu erhalten.
Eine Ausweisung als Landschaftsschutzgebiet hätte übrigens auch Folgen für Hundehalter, die das Moorland gerne nutzen: Sie dürften ihre Vierbeiner dann ganzjährig nicht mehr von der Leine lassen. Derzeit gilt ein Leinenzwang im Moorland nur zur Brut- und Setzzeit von April bis Mitte Juli.
ist ein großflächiges Grünlandgebiet zwischen Jever und Schortens mit feuchten Niedermoorböden.
wird das Moorland von zahlreichen Gräben und dem Moorlandstief. Am Rand der Geest gehen die Gräben in Hecken und Gehölzreihen über.
und die Übergänge zur Geest aber auch zur Marsch sind nach Angaben der Kreisverwaltung aufgrund ihres guten, unverbauten und zusammenhängenden Erhaltungszustands von Bedeutung – auch für gefährdete und seltene Tier- und Pflanzenarten.
ist aber auch ein beliebtes Naherholungsgebiet für Bürger aus Jever und Schortens. Auch von Hundehaltern wird es genutzt.
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