Aufklärung über Spielsucht notwendig
Prävention Suchtberatung informiert über Gefahren – Gesprächskreis „Heute schon verspielt?“
Glücksspiel kann süchtig machen – unter Glücksspiel fallen jedoch nicht nur Spielautomaten, sondern auch Roulette, Blackjack, Lotto, Wetten und Spiele im Internet. BILD: dpa 
von Kirsten Homola
Jever - Glücksspiel kann zur Sucht werden, dennoch nehmen Betroffene das kaum wahr. Glücksspielsucht ist noch weitgehend ein Tabuthema. Dabei gibt es laut aktueller Studien in Niedersachsen bis zu 40 000 süchtige Glücksspieler, im Bundesgebiet sollen es 500 000 sein.
Von Spielsucht spricht man, wenn der betroffene Spieler einen zwanghaften Drang zum Spielen hat und auch nach hohen Verlusten nicht aufhören kann. Die Folge von Spielsucht können neben der Zerstörung von Beziehungen finanzieller Ruin aber auch kriminelle Aktivitäten zur Geldbeschaffung sein.
Vor rund zwei Jahren startete das Land Niedersachsen eine Initiative, um vor allem Jugendliche besser vor dem Glücksspiel zu schützen und stellte dafür bisher 3,2 Millionen Euro bereit. An 24 Standorten, darunter auch in Friesland, sind Fachleute im Einsatz.
In Jever ist Christine Meinen von der Suchtberatung und -Behandlung, Kostverloren 2, zuständig. „Wir wollen das Thema öffentlich machen und gleichzeitig für Betroffene Ansprechpartner sein“, beschreibt die Glücksspiel-Präventionsfachkraft ihre Arbeit. Schulungen, Besuche in Schulen und Kontakte mit anderen Institutionen hätten bereits zur Aufklärung über die Gefahr der Spielsucht beigetragen.
„Männerdomäne“
Rund 35 Betroffene gibt es in Friesland, die sich ihrer Sucht bewusst sind, weiß Einrichtungsleiter Volker Ross, der mit einer stetigen Zunahme rechnet. Dabei sei Spielsucht derzeit noch eine „Männerdomäne“ – das könnte sich aber ändern, zumal die Spielhallenbetreiber weibliche Kunden bereits im Blick haben.
Das neueste Projekt in der Suchtprävention ist der Gesprächskreis „Heute schon verspielt?“, der in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule angeboten wird. „Das Angebot ist kostenlos und die lockere, anonyme Atmosphäre verpflichtet zu nichts“, erklärt Christine Meinen, die die 14-täglichen Treffen leitet. Die Volkshochschule stellt die Räume zur Verfügung.
Hilfe zur Selbsthilfe
„Wir wollen solche Projekte unterstützen“, erklärt Martina Bessmer von der Volkshochschule. Der Kreis stehe Betroffenen ebenso wie Angehörigen zur Verfügung. „Wir hoffen, dass sich aus dem Projekt eine Selbsthilfegruppe entwickelt“, so Ross und Meinen. Denn Ende 2011 endet die Landes-Förderung, die auf Grundlage des Glücksspielstaatsvertrags von 2008 ins Leben gerufen wurde. Bereits 2006 hatte das Bundesverfassungsgericht geurteilt, dass die Länder nur dann staatlich Glücksspiel betreiben dürfen, wenn sie gleichzeitig zur Suchtprävention beitragen.
Kontakt zur Suchtberatung und -Behandlung Friesland unter Tel. 04461/91 36 50.
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