SCHORTENS, 5. November 2011


„Wir brauchen keine Minarette“

Integration Autorin von „Aufstand der Kopftuchmädchen“ im Bürgerhaus


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„Entreißt den Männern den Koran“: Autorin Lale Akgün plädierte in Schortens für einen reformierten Islam, der sich westlichen Werten annähert. BILD: Oliver Braun  Bild vergrößern

Lale Akgün, Muslimin aus Köln, wirbt für radikale Reformen des Islam. Ihre Thesen stellte sie jetzt in Schortens vor.

von Oliver Braun

Schortens - Muslime, die Alkohol trinken, die auch mal Schweinefleisch essen, die Musik hören und tanzen und ihre Frauen als gleichwertige Partnerin behandeln – für Lale Akgün ist das alles „islamisch“. Bei ihrer spannenden Lesung und anschließender Diskussion plädierte die in Köln lebende Psychologin, ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete und Autorin von „Aufstand der Kopftuchmädchen“ vor rund 50 Zuhörern im Bürgerhaus Schortens für ein neues Verstehen des Koran und für grundlegende Reformen des Islam. Veranstalter waren die Gleichstellungsbeauftragten für Schortens, Wangerland und Friesland.

„Der im Westen lebende Otto-Normal-Muslim will keine religiöse Apartheid“, sagt Akgün. Diese aber werde von muslimischen Verbänden geradezu manifestiert. Ihre Kritik am von Männern dominierten Islam, die die Religion als Machtmittel missbrauchten, hat Lale Akgün viele Anfeindungen eingebracht.

Die fast zweistündige Veranstaltung, der sich Workshops anschlossen, war ein Parforceritt durch die islamische Religionsgeschichte und durch Texte des Koran. Lale Akgün setzt sich in ihrem Buch nicht nur mit den Machtstrukturen des Islam auseinander oder fordert eine zeitgemäße Deutung des Koran; für Lale Akgün, die sich freien und frohen Herzens zum islamischen Glauben bekennt, ist Religion vor allem eines: Etwas ganz Privates.

Daher denkt sie auch ganz pragmatisch in Fragen der Integration: „Integration lernt man nicht in Kursen“, so Akgün. Integration muss man praktizieren, indem man etwa als Gast bei deutschen Freunden auch mal Schweinefleisch isst. Der Koran jedenfalls verbiete das nicht.

Und der Koran schreibe auch nirgendwo vor, dass Frauen sich von Kopf bis Fuß verhüllen müssten. Von unauffälliger Kleidung sei vielmehr die Rede, so Akgün. Demnach müssten islamische Frauen im Kostüm ins Büro, im Abendkleid zum Ball und im Badeanzug ins Schwimmbad, schlussfolgert die Autorin. Auch die Fasten-Rituale oder das täglich fünfmalige Ausrollen des Gebetsteppichs seien nicht sakrosankt. Der Islam verlangt: „Mach Dich nicht wichtig“. Ergo sei die Zwiesprache mit Gott entscheidend und nicht die äußerliche Demonstration.

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Ganz entscheidend für Lale Akgün ist, dass die Menschen islamischen Glaubens den bislang nur in Arabisch verfassten Koran überhaupt verstehen. Daher müsse Schluss sein mit der Gehirnwäsche in den Koranschulen. Der Koran müsse in die Sprachen übersetzt werden, die die Menschen auch verstehen. Dann werde jeder erkennen: Man muss keine Angst vor dem Islam haben. Der Islam sei sogar mit dem 21. Jahrhundert in Schortens vereinbar.






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