„Meine Bücher sind mächtige Freunde“
Kabarett Menschenhasser Malmsheimer philosophiert über Mitbürger, Wurstbrot und Tiere im Zoo
von Rahel Arnold
Schortens - Jochen Malmsheimer ist als Kabarettist in etwa so sympathisch wie juckende Schrunden an den Händen, stechende Hühneraugen unter den Füßen oder ein eitriger Ausschlag am ganzen Körper. Er ist nicht frech, das wäre untertrieben, er ist nicht unfreundlich, nein, das würde ihm nicht gerecht werden. Jochen Malmsheimer ist hundsgemein, bösartig und politisch so unkorrekt, dass es die Zuhörer vor Lachen kaum auf den Stühlen hält.
So begeisterte er auch das Publikum im Schortenser Bürgerhaus am Freitagabend mit seinem Programm „Flieg Fisch und gesunde – oder Glück, wo ist dein Stachel?“. Der Titel seines Programms sei ihm übrigens selbst ein Rätsel, dennoch finde er das Programm in Teilen so komisch, dass er selbst darüber lachen müsse. „Wenn sie sich nicht sicher sind, ob das witzig ist, glauben sie mir, es ist witzig“, meint er.
Seit Mitte der 1970er Jahre ist Malmsheimer nach eigener Aussage durchgängig schlecht gelaunt und hasst Menschen. „Ich nenne sie Peripher-Menschen, Mitmenschen ist mir zu familiär“, sagt der 50-Jährige mit volltönender Stimme.
Diese Aussage zieht sich als roter Faden durch seine Geschichten, egal ob er mit seinen Söhnen über die Anschaffung von Nagetieren diskutiert – „Meerschweinchen mag ich am liebsten in einer Sahnesoße“, über den Zusammenhang zwischen der Farbe Beige und Senioren philosophiert – „wer nötigt die alten Leute, diese Farbe zu tragen“ – oder bei einem Besuch im Zoo feststellt, dass der Mensch auf seinem Weg der Evolution im Vergleich zum Affen wohl frühzeitig falsch abgebogen ist.
Aber immerhin ein Kompliment konnten das Publikum in Schortens Malmsheimer entlocken: „Sie scheinen mir mental recht beweglich zu sein“, sagte er. Im Gegenzug lästerte er aber auch über das wenig einladene Foyer des Bürgerhauses – „zumindest der Parkplatz ist schön“.
Jochen Malmsheimer kann der Aussage „Früher war alles besser“ übrigens bedingt zustimmen. Einiges sei früher wahrlich besser gewesen und zwar deshalb, weil es so, wie es war, gut gewesen ist. „Hätten wir davon die Finger gelassen, dann wäre es auch heute noch gut“, meint er.
Als Beispiel nennt der gebürtige Nordrhein-Westfale das Wurstbrot. Gutes Graubrot mit Geschmack, eine dicke Schicht Butter und viel Salami – das ist das perfekte Wurstbrot. „Es war gut wie es war, bis irgendjemand Mayonnaise, Salat und Ei dazu geklatscht hat. Seitdem denke ich, ich beiße in einen Komposthaufen“, brüllt er entrüstet in den Saal. Cholerische Ausbrüche und scheinbar unkontrollierte Wutanfälle, auf der Bühne unterstreichen das Bild des Misanthropen Malmsheimer.
Den Höhepunkt seines Programms hebt er sich aber bis zum Schluss auf. Malmsheimer beobachtet in seiner Bibliothek, in der er gerne Bücher nebeneinander stellt, dessen Autoren sich im wahren Leben gehasst haben, heimlich den Aufstand seiner Bücher. Sie wollen das Internet unterwandern, wollen die Menschen wieder ans Lesen bringen und das will auch Malmsheimer: „Meine Bücher sind mächtige Freunde und ich habe ihnen mein Wort gegeben – stärker kann man sich nicht binden“, meint er.
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