„Der Mann schadet Varel nur noch“
KOMMUNALPOLITIK Wie Karl-Heinz Funke ins Abseits gerät und die SPD demoliert
VON FRANK JUNGBLUTH UND HANS BEGEROW
VAREL - Es war wieder eine Woche der politischen Niederlagen für den Ex-Bundeslandwirtschaftsminister, Ex-Bürgermeister und Ex-Ratsvorsitzenden Karl-Heinz Funke.
Erst lehnte das Verwaltungsgericht Oldenburg den Eilantrag ab, mit dem Funke und SPD-Fraktionschef Alfred Müller die Wahl des Stellvertreters für Bürgermeister Gerd Christian Wagner (SPD) verzögern wollten. Und dann wählte eine deutliche Ratsmehrheit den neuen starken Mann in der Verwaltungsspitze am Donnerstagabend auch noch. Allerdings eine Mehrheit ohne die SPD.
Nach seiner Abwahl aus den letzten ihm verbliebenen politischen Ämtern im Februar dieses Jahres ist Karl-Heinz Funke ein König ohne Land in Varel. Der Stadt, in der er mit dem Einzug in den Rat 1972 politisch wuchs, es bis zum Bundesminister brachte und den Weg zurück antreten musste. Hier, in der lokalen Politik, trat der ehemals mächtige Mann allerdings immer noch auf, als müssten alle tun, was er sagt. Doch die Zeiten haben sich geändert. Die Anweisungen an den Bürgermeister, die Funke aus Gewohnheit morgens ins Rathaus übermittelte, wurden nicht mehr befolgt. Und als Bürgermeister Gerd-Christian Wagner vor wenigen Monaten per Rundschreiben die Bediensteten der Stadtverwaltung anwies, keine von wem auch immer befohlenen Aufträge von außen auszuführen, da war damit vor allem Funke gemeint. Vom bulligen Ex-Minister ist bekannt, dass er seinen Wünschen brüllend Nachdruck verleiht, wenn der Ausführende sie nicht sogleich erfüllen mag.
Was früher reibungslos klappte im System Funke, ein Netz, in das viele Entscheidungsträger in Varel und Dangast verwoben waren, mag nicht mehr gelingen. Und das lässt Funke explodieren.
Bürgermeister Gerd-Christian Wagner ist der Feind und der wird immer offener und immer aggressiver bekämpft. Dass ein SPD-Politiker den Bürgermeister der eigenen Partei sogar vor Gericht zerren will, ist der wohl deutlichste Beweis dafür, wie feindselig das Verhältnis zwischen den Parteifreunden ist.
Der schleichende Machtverlust Karl-Heinz Funkes beschert den Varelern inzwischen so groteske Ereignisse, dass sich nicht weniger in der Stadt fragen, wie lange man noch zulassen kann, dass ein ehemals prominenter Politiker wie ein Berserker wütet. Tatsächlich waren jene Kämpfer, deren Name aus dem Altnordischen stammt, von der Römerzeit bis ins Mittelalter gefürchtet. Sie kämpften wie im Rausch, ist überliefert. Sie spürten keine Schmerzen.
„Der Mann schadet der Stadt nur noch“, sind sich inzwischen in Varel viele einig. Auch jene, die einst mit Funke stritten. So kündigt sich in den SPD-Ortsvereinen Dangastermoor, Varel und Obenstrohe dem Vernehmen nach ein Massenaustritt an. „Viele Genossen wollen nach Büppel wechseln, um Funke und Alfred Müller zu entkommen“, sagt ein Mitwisser.
Nur Funke handelt, als habe er wie ehedem alle Fäden in der Hand. Beim Karnevalskehraus nach seiner Abwahl verteilte er in inoffizieller Mission den erfreuten Narren Funke-Ehrenurkunden. Es waren solche, die nicht die Stadt, sondern er selbst produziert hatte.
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