VAREL, 12. März 2010


„Menschheit in 2000 Jahren nicht weitergekommen“

VORTRAG Kirchenkritiker Eugen Drewermann spricht im voll besetzten Lothar-Meyer-Gymnasium


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Eugen Drewermann sprach in Varel. BILD: DIRK VON POLENZ Bild vergrößern

DER BEKANNTE KIRCHENKRITIKER EUGEN DREWERMANN REFERIERTE AUF EINLADUNG DES VEREINS FÜR KUNST UND WISSENSCHAFT VAREL. ES WAR DIE LETZTE VERANSTALTUNG DES WINTERPROGRAMMS.

VON DIRK VON POLENZ

Varel - „Was würde Jesus dazu sagen?“: Unter diesem Titel war der Vortrag von Eugen Drewermann angekündigt worden. Doch ganz so provokant wie die Frage begann der Mittwochabend nicht. Drewermann hielt sich in der voll besetzten Aula des LMG zunächst an die Vorgabe, sich dem Lukas-Evangelium zu widmen.

Zunächst stellte Drewermann die simple Unterscheidung von Gut und Böse in Frage, vor allem die Illusion, dahinter stecke die freie Willensentscheidung. Oft seien es doch nur unglückliche Umstände, die den „bösen Menschen“ hervorgebracht haben. „Ist der Dieb nicht nur jemand, der Hunger hat, hat der Lügner einfach Angst, und ist der Verbrecher nicht eigentlich auf der Suche nach Liebe?“ fragt Drewermann und weist darauf hin, dass diese Prinzipien heute genauso gelten wie vor 2000 Jahren. Seit Johannes dem Täufer und Jesus sei es Ziel der Kirche, jedes verlorene Schaf zurückzuholen. Anschließend kehrte er die Argumentation um, die „Guten“ sollten nicht selbstgerecht sein. Dass ihr Leben in geordneten Bahnen verläuft, sei oft nur günstigen Umständen geschuldet, man könne es auch Glück nennen.

Bis hierher wirkt der Vortrag wie eine Predigt – die Stimme, der Text, man merkt, dass Drewermann ein Kirchenmann ist. Doch bisweilen bricht er aus seiner Sanftmut aus und geißelt in harten Worten die Selbstverständlichkeiten der westlichen Welt. Die Todesstrafe ist natürlich für einen, der dem Wort Christi folgt, völlig unakzeptabel. Auch ein Militärpfarrer ist ein Widerspruch an sich.

Auch die Militärausgaben der Staaten, vor allem der USA, belegen, dass die Menschheit in den letzten 2000 Jahren nicht viel weitergekommen ist. Für einen Bruchteil der Wehretats könnten Slums beseitigt werden und die Menschheit mit Trinkwasser versorgt werden.

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Dem ehemaligen Katholiken Drewermann wurde vor fast 20 Jahren die Lehrerlaubnis und das Priesteramt entzogen. Doch darüber redet er nicht, auch auf die aktuellen Geschehnisse in der katholischen Kirche geht er nicht ein. Sein Ansatz ist grundsätzlicher, er bleibt nahe am Evangelium und lässt das Publikum selbst erkennen, „was Jesus dazu sagen würde“.


 



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