VAREL, 6. Juli 2010


Delle drückt Leiharbeiter aus Werk

Premium Aerotec Verzögerung bei Zukunftsflieger A 350 – Nordenhamer kommen in Varel unter


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Varel ist an dem Zukunftsflieger A 350 beteiligt. Unter anderem werden die Fußbodenroste für zwei Sektionen in Varel gefertigt. BILD: Premium Aerotec  Bild vergrößern

Ein Teil der Leiharbeiter im Werk muss gehen. Premium Aerotec rechnet aber damit, dass die Auslastung wieder steigt.

von Hans Begerow

Varel - Die Nachfrage-Delle in der Luftfahrtindustrie trifft das Vareler Werk von Premium Aerotec. Und das hat auch Auswirkung auf die Beschäftigung. Werkleiter Uwe Fresenborg bestätigte, dass ein Teil der 169 Leiharbeiter gehen muss. Er habe die Leiharbeiter im Werk informiert, dass in den nächsten Monaten ein Teil von ihnen freigesetzt werde – etwa zehn pro Monat. Zudem hat das Vareler Werk auch 20 Mitarbeiter des Werks Nordenham zeitweise übernommen, um dort Personal-Überkapazitäten auszugleichen.

„Wir sind später dran bei der A 350 als geplant“, erläuterte Fresenborg. Die Auflösung von Arbeitsverhältnissen solle aber nicht alle der zurzeit 169 Leiharbeiter betreffen. „Von der Zahl her werden das etwa zehn pro Monat sein. Es kann auch sein, dass sich die Auslastung besser entwickele.

Von den Auslastungsproblemen weiß natürlich auch der Betriebsrat. „Der A 350 kommt später, wir liefern weniger A 380 aus“, sagt Betriebsratsvorsitzender Jürgen Bruns. In dieser Auslastungsdelle „werden Aufträge ins Werk zurückgeholt.“ Auch der Fertigungsmittelbau habe nicht die erhoffte Auslastung. Und Bruns weiß: „Es wird nicht ohne Abbau von Leiharbeitsverhältnissen gehen.“

Bei den Betroffenen herrscht naturgemäß Unmut. „Der Leiharbeiter macht und schafft. Ich halte das moralisch für fragwürdig, man hält die Leute an der langen Leine“, sagt einer der Betroffenen, der bei Premium Aerotec arbeitet. Dass es sich um ein Leiharbeitsverhältnis handelt, das eben auch befristet ist, sei ihm bewusst. Die angebotene Option, sich im Aeropark bei Thyssen Krupp Aerospace zu bewerben, empfinde er wegen der geringeren Entlohnung als Hohn.

Das von manchen gebrauchte Wort vom Hungerlohn weist Fresenborg entschieden zurück. Die Entlohnung bei Thyssen Krupp Aerospace liege freilich unter der von Premium Aerotec, die den (hohen) Airbus-Tarif zahle, sagte Fresenborg. Mit Thyssen Krupp Aerospace sei vereinbart, dass die Leiharbeiter sich dort bewerben können, sagten Fresenborg und Betriebsratsvorsitzender Jürgen Bruns.

Ob im Aeropark tatsächlich neue Arbeitsplätze entstehen (und nicht nur bestehende umverlagert werden), dahinter setzt Bruns ein Fragezeichen. Es gebe noch zu viele Fragezeichen. Freilich befinde sich die Luftfahrtindustrie in einem „Riesenveränderungsprozess“. Es sei relativ schwierig, die künftige Auslastung zu prognostizieren. Positive Effekte aber seien erkennbar.

So sieht es auch Uwe Fresenborg, der möglichst viele der Leiharbeiter halten möchte. „Es kann sein, dass sich das bis Spätherbst anders entwickelt“, sagte er zur Auslastung. In Nordenham, am anderen Premium-Aerotec-Standort, seien wesentlich mehr Leiharbeiter freigesetzt worden.

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