Aus Schrott wird Multitandem
Oldtimer „Lemmis“ aus Bramloge in ganz Deutschland unterwegs
von Traute Börjes-Meinardus
Bramloge - Sie hatten ihren Dienst getan, lagen auf dem Schrott, im Sperrmüll und sogar im Graben, bis die „Lemmis“ aus Bramloge kamen und aus insgesamt 50 Rädern etwas Einzigartiges geschaffen haben: ein Tandem mit 26 Fahrrädern.
Begonnen hat alles 1982, als dem Kegelclub „Die Lemmis“ das Kegeln nicht mehr reichte. „Wir haben uns überlegt, mit wenig Geld ein wendiges Fahrrad für viele zu bauen“, erinnert sich Heinz Hibben. Die Kegler beschlossen, aus paarweise nebeneinander gestellten Rädern ein Riesen-Tandem zu bauen. Fortan durchwühlten die „Lemmis“ Schrotthaufen und Sperrmüll auf der Suche nach alten Rädern. 50 alte Räder zumeist aus den 60ern kamen zusammen. Eine bunte Mischung vieler Fabrikate, die nur eines gemeinsam hatten: den geschwungenen Lenker.
Die Vorderräder wurden abgebaut und immer zwei Räder nebeneinander verbunden. Mit Hilfe eines Kugelgelenks wurden diese Rad-Duos hintereinandergehängt. So entstand ein schlangenartiges Gefährt, das um jede Kurve kommt und trotz seiner Länge von 18 Metern problemlos wenden kann.
Bremsen Herausforderung
Beim Bau des Tandems packte der gesamte Kegelclub mit an, darunter ehemalige Polizisten, Postbeamte, ein Schmied und ein Feinmechaniker. Gemeinsam tüftelten sie an dem Konstrukt, wobei die Bremsanlage die größte Herausforderung war. Das Tandem wird vorne zentral gebremst, der Mann an der Bremse ist Heinz Hibben. Einen ebenso verantwortungsvollen Posten hat Egon Behrens auf dem Rad neben ihm. Er ist der Einzige, der über einen beweglichen Lenker verfügt und bestimmt, wo es langgeht. Die 24 „Lemmis“ hinter ihm sind fürs Treten zuständig, „Jeder tritt, so gut er kann“, sagt Heinz Hibben. So ist es auch für die Älteste auf dem Rad mit ihren 88 Jahren kein Problem mitzukommen.
In Gemeinschaftsarbeit ist auch der Hänger entstanden, mit dem das Tandem transportiert wird, ebenso der Schuppen, in dem es seinen festen Platz hat.
Das älteste Teil am Multitandem ist ein Milchanhänger aus den 40er Jahren. Ihn haben die „Lemmis“ zu einer Verpflegungsstation umgebaut mit einer Vorrichtung für Gläser, Flaschen und ein Bierfass.
Zum Tandemrennen
Die „Lemmis“ haben mit ihrem Tandem viel erlebt, waren bei vielen Umzügen dabei wie bei dem zum Heideblütenfest in Schneverdingen, haben an einem Straßenfest in Berlin teilgenommen und an einem Tandemrennen, waren an der Mosel, im Harz und im Spreewald.
Nur einen Traum konnten sie sich bislang nicht erfüllen: einmal mit dem Multitandem auf der Autobahn fahren. Dieser Wunsch wird am 18. Juli wahr. Dann fahren die „Lemmis“ ins Ruhrgebiet und nehmen an der Aktion „Still-Leben Ruhrschnellweg“ teil. Die Autobahn wird auf einer Länge von 60 Kilometern gesperrt und für alle freigegeben, die nicht motorisiert sind. Neben vielen Zweirädern werden die „Lemmis“ aus Bramloge sicherlich die Attraktion auf dem Ruhrschnellweg sein.
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