Fanatiker wollte Friedhof verkaufen
Judenverfolgung SA-Mann sah jüdische Gräberstätte als lukrative Geldquelle
Hohenberge - Für einen war die Zerstörung der Synagoge nicht genug. SA-Mann Johannes Büppelmann plante, den jüdischen Friedhof in Hohenberge zu versilbern. Er wollte den Friedhof zerstören und den Hügel abtragen lassen. Dieser ungeheuerliche Plan wurde nicht verwirklicht, aber er ist aktenkundig und zeigt den grenzenlosen Fanatismus der Handelnden vor 70 Jahren.
Büppelmann hatte das Volumen des Friedhofs auf 20 808 Kubikmeter Sand veranschlagt. Über mehrere Jahre verfolgte er sein Ansinnen. Ihm war die Verwertung jüdischen Grundbesitzes übertragen worden, worunter nichts anderes als die Enteignung des Besitzes und die Entrechtung der vormaligen Besitzer verstanden werden kann. Bereits vor Kriegsbeginn waren die schmiedeeiserne Umzäunung und das zweiflügelige Eingangstor des jüdischen Friedhofs in Hohenberge abmontiert und als Schrott der Rüstungsindustrie zugeführt worden, schreibt Rudolf Brahms in seinem Buch „Geschichte einer ungeliebten Minderheit“. 1942 hatte dort die letzte Beisetzung eines verstorbenen Juden stattgefunden.
Brahms über Büppelmanns Vorhaben: „Nachdem von Fachleuten errechnet worden war, dass der Abtrag des Friedhofshügels für die SA und auch für ihn lukrativ sein würde, wandte sich Büppelmann an den Bürgermeister der Gemeinde Varel-Land.“ Er behauptete, er sei beauftragt, den Hügel zu verwerten. Die Gemeinde Varel-Land zeigte Interesse, der Landkreis Friesland widersprach jedoch, da die Umbettung der Leichen geregelt sein müsse.
Büppelmann fand sich damit jedoch nicht ab. Wenige Monate später, im Januar 1942 machet er einen erneuten Anlauf. Mit dem Verkauf solle nicht bis nach dem Krieg gewartet werden. Es vergingen mehr als zwei Jahre, und im August 1944 legte der Finanzminister den Kaufpreis auf 5000 Reichsmark für die Gemeinde Varel-Land fest. Es blieb beim Plan.
Gegen Kriegsende hatte man allerdings anderes zu tun. Der Friedhof in Hohenberge wurde zu einer Flak-Stellung umgebaut. Dazu wurden eine Reihe von Grabsteinen abgeräumt und zerschlagen. Das gilt auch für Grabeinfassungen. Eine Flak-Einheit verwendete die Grabsteine als Tafel für erfolgreiche Abschüsse. Auch wurden Grabsteine nach Kriegsende verschüttet, als Bunkeranlagen gesprengt wurden. Bis Herbst 1948 wurden 111 Grabstätten restauriert. Als Ersatz für den Zaun wurde eine Hecke gepflanzt. Johannes Büppelmann und neun weitere Antisemiten wurden 1945 zu Aufräumarbeiten auf den Judenfriedhof befohlen.
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