VAREL, 16. März 2011


Mahnwache für Erdbebenopfer

Katastrophe Dieselaggregate treiben Notstromversorgung im AKW Kleinensiel an


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Das Atomkraftwerk in Kleinensiel ist rund 25 Kilometer von Varel entfern BILD: Wolfgang Schlüter  Bild vergrößern

Die Mahnwache findet am Montag in Varel statt. An diesem Mittwoch gibt es das Friedensgebet in der Schlosskirche.

von Christoph Koopmeiners Und Wolfgang Schlüter

Varel - Die Verkettung eines derartig schweren Erdbebens und eines Tsunamis, die das Stromnetz und nahezu die gesamte Infrastruktur um das japanische Kernkraftwerk Fokushima zerstörten sowie zum Ausfall der Notstromanlage und des Kühlsystems führten, sei in Deutschland nicht vorstellbar. Das hat Eon-Kernkraft auf Anfrage der NWZ  mitgeteilt. Das Unternehmen betreibt das Kernkraftwerk Unterweser (KKU) in Kleinensiel. Wie berichtet, liegt die Stadt Varel im 25-Kilometer-Radius des AKW und würde bei einem Störfall entsprechend dem Notfallplan mit als erstes evakuiert.


Gegen Beben der Stärke 6
Obwohl der Standort des AKW in Kleinensiel außerhalb von Erdbebengefahrenzonen liegt, waren beim Bau die für die Reaktorabschaltung und die Nachkühlung des Reaktors erforderlichen Anlagen gegen Beben der Stärke 6 gesichert worden. Nach Aussagen von Dr. Thomas Burgdorff, Leiter des Kommunikationszentrums des KKU, berücksichtigt der Notfall- und Katastrophenschutzplan auch ein extremes Hochwasser. Das Kernkraftwerk sei so gebaut, dass es einem sogenannten 10 000-jährlichen Hochwasser standhalte. Zum Vergleich: Der übliche Hochwasserschutz anderer Anlage siehe ein 100-jährliches Hochwasser als Bemessungsgrundlage vor.

Die Wärme, die bei den Kernspaltungen in den 193 Brennelementen des AKW Unterweser entsteht, wird durch Wasser abtransportiert, das zu sieden beginnt. Ein Dampfabscheider trennt sodann das Wasser-Dampf-Gemisch. Nur der Dampf gelangt zur Turbine. Beim normalen Abfahrvorgang wird die Nachzerfallswärme zunächst über die vier Dampferzeuger abgeführt. Nach etwa dreieinhalb Stunden setzt die Nachkühlung über das Nachkühlsystem ein.

Für den Fall des gleichzeitigen Ausfalls von Kraftwerk und Hochspannungsnetz soll eine von vier Dieselaggregaten gespeiste Notstromversorgung das Abfahren der Anlage gewährleisten. Bei Ausfall der Eigenbedarfsspannung vergehen etwa 15 bis 20 Sekunden, bevor die gestarteten Notstromdiesel belastbar sind, die 72 Stunden lang Strom erzeugen können. Danach müsste Diesel nachgefüllt werden.

Nach den Worten von Thomas Burgdorff ist auch ein Hacker-Angriff aus dem Internet auf wichtige sicherheitstechnische Komponenten physikalisch gesehen nicht möglich. Es bestehe keine Verbindung und damit auch kein Zugriff von außen auf die Steuerung dieser Komponenten.

Dem Ministerium für Umwelt und Klimaschutz in Hannover liegen Genehmigungsverfahren für das KKU vor: Errichtung einer Vernebelungsanlage zur Abwehr terroristischer Flugzeugangriffe, Erneuerung der Notstrom- dieselanlage, Austausch des Reaktorschutzsystems und Anwendung einer einheitlichen Erdbebenspezifikation.


Über Zwischenlager besorgt
Iko Chmielewski von der Menschenmüll-Wähleraktion in Varel macht sich nicht Sorgen ob der alten Technik des AKW in Kleinensiel. „Ende 2010 waren im Standort-Zwischenlager Unterweser nach den Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz sieben Atommüll-Behälter des Typs CASTOR V/19 mit abgebrannten Brennelementen aus dem AKW Unterweser eingelagert. Die Lagerung ist zunächst für 40 Jahre genehmigt und ermöglicht die Lagerung von weiteren 73 Behältern. Die Behälter werden zur Kühlung in offenen Gebäuden gelagert. Kein Mensch kann zurzeit sagen, ob die Dichtung der Behälter wirklich 40 Jahre hält und was bei einem Deichbruch oder ähnlichem mit der Strahlung passiert.“

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Eine Mahnwache für die Erdbebenopfer in Japan halten die Grünen in Varel am kommenden Montag ab. Sie beginnt um 17 Uhr am Platz der „Krabbenpulerin“, also an der Hindenburgstraße Ecke Obernstraße. Wie berichtet nehmen bereits an diesem Mittwoch Menschen in Varel am Schicksal der japanischen Bevölkerung Anteil beim wöchentlichen Friedensgebet in der Schlosskirche. Es beginnt um 19 Uhr.






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