Eine Telefonzelle voller Bücher
MENSCHEN Johanna und Andreas Tepper betreiben die kleinste Bücherei Frieslands
VON KLAUS HOMOLA
WÜPPELSER ALTENDEICH - Die kleinste Bücherei in Friesland ist in einer Telefonzelle untergebracht. Das nicht zu übersehende postgelbe Häuschen von rund einem Quadratmeter Grundfläche steht auf dem Grundstück der Eheleute Johanna und Andreas Tepper in Wüppelser Altendeich 26.
„Wir lesen sehr viel“, erzählt Johanna Tepper, „und da fielen in der Vergangenheit immer viele ausgelesene Bücher an. Die haben wir dann auf dem jährlichen Flohmarkt beim Straßenfest des Boßelvereins verkauft.“ Doch weil der Flohmarkt inzwischen nicht mehr stattfindet, haben die Teppers keine Gelegenheit mehr, ihre Bücher loszuwerden.
So entstand die Idee, eine Bücherei in einer Telefonzelle einzurichten. Der Weg dahin sei allerdings sehr mühselig gewesen: Bei der Telekom waren keine Telefonhäuschen mehr aufzutreiben und die Angebote bei einem Anbieter im Internet waren über ganz Deutschland verteilt. Der Weg war den Teppers zu weit.
Doch dann fanden sie in Butjadingen bei einem Bauern eine ausrangierte Telefonzelle. Die musste zunächst aufgearbeitet und wieder gelb gestrichen werden. Schließlich wurde sie mit einem Regal bestückt und auf einem Fundament auf dem Grundstück aufgestellt.
Etwa 250 Bücher passen in die Telefonzelle. Die kleine Bücherei deckt damit zahlreiche Interessensgebiete und Geschmäcker ab. „Leider fehlen aber Kinderbücher, vielleicht bringen Besucher ja einige mit“, wünscht sich Johanna Tepper.
Denn das ist der Clou bei der Sache: Wer sich für ein Buch aus der Minibücherei interessiert, kann es mitnehmen, sollte aber stattdessen ein Buch aus seinem Bestand in der Telefonzelle hinterlassen oder eine kleine Spende geben.
Und darauf sind die Eheleute Tepper vom gleichnamigen Reparaturbetrieb Tepper ebenfalls stolz: Die Bücherei ist täglich und auch nachts geöffnet. Und damit auch bei Dunkelheit nichts dem Schmökern entgegensteht, bekommt das Telefonhäuschen eine Solarleuchte mit Bewegungsmelder.
Erste Reaktionen der Besucher: „verrückte Idee“ und „tolle Errungenschaft“. „Wir sind gespannt, wie sich die Geschichte entwickelt“, freuen sich die Teppers.
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