Lehrer muss selbst am Herd stehen

Ärger Im „Haus Vogelsberg“ fehlt der Koch – Klasse aus Ganderkesee muss sich selbst versorgen


Bei der Ankunft auf Wangerooge erfuhr Karsten Kirchner von der Misere. So fand er sich selbst am Herd wieder.

von Melanie Hanz

Wangerooge - Die Klassenfahrt nach Wangerooge wird Karsten Kirchner, Lehrer am Gymnasium Ganderkesee, so schnell nicht vergessen. Als er am Montag mit 30 Fünftklässlern im Haus Vogelsberg im Inselwesten eintraf, „gab es erst mal einen Schlag ins Kontor“, berichtet er: Ihm wurde eröffnet, dass das Jugendheim plötzlich ohne Koch dasteht und sich die Klasse selbst mit Essen versorgen muss.

„Zum Glück waren die Kühlschränke gut gefüllt und Abendessen gab es auch noch“, sagt Kirchner. Doch sein erster Gedanke, „dann müssen wir eben improvisieren“, erwies sich am Dienstagmittag als schwierig umzusetzen: „Es ist nicht ganz ungefährlich, Kinder in einer Großküche mithelfen zu lassen, wo es Kipppfannen gibt und riesige Fritteusen mit heißem Fett“, stellte er fest. Und so stand er selbst in der Küche und brutzelte Bratwurst mit Pommes für seine Klasse. „Das war sehr grenzwertig“, sagt er über diese Erfahrung.


Mittagessen fällt ganz aus
Am Mittwoch fiel deshalb das warme Essen aus, stattdessen packten Kinder und Lehrer Lunchpakete, um zu picknicken. Am Mittwochabend kam dann die gute Nachricht: Ein Ersatzkoch sei gefunden, der die Klasse für den Rest der Woche bekocht. „Da war ich schon erleichtert“, sagt Kirchner.

Auch wenn er am Donnerstag über seinen Einsatz am Herd schon wieder schmunzeln kann, findet der Lehrer die Situation mehr als ärgerlich: „Man hat schon gemerkt, dass das auch für die Kinder sehr belastend war“, berichtet er. Auf den Gedanken, die Klassenfahrt abzubrechen, sei er aber zu keiner Minute gekommen. „Für die Kinder ist Wangerooge einfach toll“, sagt er. Dennoch werde er künftig nicht mehr in einem Jugendheim des Bildungswerks für Jugend-Soziales-Kultur mit Sitz in Berlin absteigen.

„Das Haus Vogelsberg ist zwar wunderschön und der Heimleiter sehr engagiert, aber es hakt an allen Ecken und Enden“, hat er festgestellt. Es sei zudem schade, dass die Einrichtung so heruntergekommen sei.

Beim Bildungswerk in Berlin bedauert man, dass die Klasse so direkt von dem Wechsel in der Küche betroffen war. „Auch für uns kam überraschend, dass der Koch kurzfristig aufgehört hat“, sagte eine Sprecherin auf Nachfrage der NWZ . Und für eine Insel sei so schnell auch kein Ersatz zu finden gewesen. Doch nun sei eine Übergangslösung gefunden.


Erstattung von Kosten
Nach einem Gespräch mit der Elternvertretung hat das Bildungswerk eine Kostenerstattung angeboten, „die wurde auch angenommen“, so die Sprecherin.

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Für Kirchner bleibt dennoch ein bitterer Nachgeschmack: „Der Ersatzkoch bleibt meines Wissens bis Mittwoch – was danach passiert, ist noch nicht klar“, berichtet er. Und am Montag reisen zwei neue Klassen an.




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04.06.2010
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