Signal an Bürokraten Massive Kritik an Flugsteuer
Inselflieger Unternehmen fordern Ende der „Hängepartie“
Harle - Man stelle sich vor, die Inselflieger würden jetzt die Gunst der Stunde nutzen, und in den Streik treten, um gegen die Flugsteuer zu protestieren. Solche Überlegungen gab es auf Wangerooge, sie wurden vor allem mit Rücksicht auf die Touristen aber nicht umgesetzt – zum Glück.
Denn zurzeit wäre die Insel ohne den Flugverkehr von der Außenwelt abgeschnitten. Wegen Eisgangs liegen die Fähren schon den sechsten Tag in Folge in den Häfen fest. Ohne die Flieger gäbe es auf Wangerooge keine frischen Nahrungsmittel mehr, wichtige Reparaturen müssten wegen mangelnder Ersatzteile liegen bleiben und Inselgäste kämen am Ende ihres Urlaubs oder ihrer Kur nicht mehr nach Hause.
Die „Eiszeit“ an der Küste liefert den eindrucksvollen Beweis dafür, dass die Inselflieger für die Daseinsvorsorge auf den Inseln unverzichtbar sind. Durch die Steuer werden sie indes massiv eingeschränkt und letztendlich in ihrer Existenz bedroht.
Eine Ausnahme von der Flugsteuer ist deshalb unverzichtbar. Das müsste spätestens jetzt auch allen Bürokraten in Berlin und Brüssel klar geworden sein.
@ Den Autor erreichen Sie unter schoenborn@infoautor.de Auch Flugpassagiere, die angesichts des Winterwetters derzeit gezwungen sind, von der Fähre auf den Flieger umzusteigen, müssen die Flugsteuer zahlen. „Das führt am Ticketschalter teilweise zu massiven Beschimpfungen meiner Mitarbeiter“, berichtet der Chef der Luftverkehr Friesland-Harle, Jan-Lüppen-Brunzema.
Er und sein Kollege Rolf Harms von der FLN Frisia-Luftverkehr forderten am Dienstag die Bundesregierung und die Europäische Union auf, die „Hängepartie“ um die Flugsteuer endlich zu beenden.
Eigentlich wollte die Bundesregierung alle Inselflüge von der Steuer befreien. Die EU genehmigte zunächst aber nur Ausnahmen für Insulaner, Passagiere mit hoheitlichen Aufgaben und medizinisch notwendige Flüge. Alle anderen müssen pro Strecke zwischen Harle und Wangerooge zehn Euro Aufschlag zahlen. Das Ticket für den Fünf-Minuten-Flug verteuert sich dadurch um rund 30 Prozent. Dazu kommt ein laut Brunzema enormer Verwaltungsaufwand.
„Für die Fluggesellschaften bedeutet das Mehrkosten und für Inseln wie Wangerooge, die keine tideunabhängige Fahrverbindung haben, eine Wettbewerbsverzerrung“, sagt Brunzema.
Eineinhalb Jahre warteten die Inselflieger nun auf eine endgültige Entscheidung. „Berlin und Brüssel schieben sich gegenseitig die Verantwortung zu“, so Brunzema.
Sollte es bei der Steuer bleiben, müssten die Fluggesellschaften ihr Geschäftsmodell überprüfen – bis hin zu deutlichen Einschränkungen beim Linienverkehr.
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