„Für mehr soziale Gerechtigkeit sorgen“
Kommunalwahl Linke-Kreissprecher Holger Gerdes im Interview: Angebot an Krippenplätzen ausbauen
VON STEFAN IDEL
FRAGE: Herr Gerdes, knapp gefragt: Warum gehört die Linke in den Kreistag?
GERDES: Die Linke ist derzeit die einzige politische Kraft, die ernsthaft das Ziel hat, für mehr soziale Gerechtigkeit zu sorgen und diese Forderung auch in die kommunalen Parlamente hineinzutragen.
FRAGE: Ein großes Thema der vergangenen Wahlperiode war die Schulpolitik. Wie sieht das Konzept Ihrer Partei aus?
GERDES: Wir sehen das derzeit etablierte dreigliedrige Schulsystem als überholt an, weil es künstlich selektiert und Ungerechtigkeiten fördert. Wir wollen, dass jedes Kind die Möglichkeit hat, eine Integrierte Gesamtschule zu besuchen. Kinder sollen die ersten zehn Jahre gemeinsam lernen können.
FRAGE: Sind Sie für die Oberstufe am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium in Ahlhorn?
GERDES: Ja, die Oberstufe am Gymnasium in Ahlhorn ist notwendig, damit den Schülerinnen und Schülern lange Anfahrtszeiten erspart bleiben.
FRAGE: Was muss getan werden, um den Kreis „familienfreundlicher“ zu machen?
GERDES: Wir brauchen ein Angebot an Krippen- und Kindergartenplätzen, das dem tatsächlichen Bedarf entspricht, kostenfrei ist und an den tatsächlichen Arbeitszeiten der Eltern orientierte Betreuungszeiten zur Verfügung stellt.
FRAGE: Der Landkreis hat eine der geringsten Arbeitslosenquoten in Niedersachsen. Bedarf es da Korrekturen in der Wirtschaftspolitik?
GERDES: Diese Statistiken sagen nicht genügend aus, um daraus Schlüsse ziehen zu können, da sie nicht dem tatsächlichen Stand der Arbeitslosen entsprechen. Menschen in Bildungsmaßnahmen, unbezahlten Praktika, Minijobs oder anderen ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen tauchen dort nicht auf, obwohl sie trotzdem ihren Lebensunterhalt nicht allein bestreiten können und auf Hilfe vom Amt angewiesen sind. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt bedarf dringender Korrekturen auf allen politischen Ebenen, beispielsweise mit der Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns.
FRAGE: Ein großes Thema ist der Biogas-Boom und die Massentierhaltungsanlagen. Was wollen Sie tun, um die Interessen von Landwirtschaft und den Landschaftsschutz unter einen Hut zu bringen?
GERDES: Es wäre falsch, die Interessen der Landwirtschaft und des Umweltschutzes gegeneinander auszuspielen. Deshalb muss die Politik die Voraussetzungen dafür schaffen, um beidem gerecht zu werden. Ein erster Schritt wäre, die durchaus vernünftigen Vorgaben hinsichtlich des Maisanbaus nicht immer wieder mit zahlreichen Ausnahmegenehmigungen zu boykottieren und gleichzeitig den Anbau anderer Produkte besser zu fördern.
Massentierhaltungsanlagen sind für Mensch und Tier eine unzumutbare Qual und müssen eingedämmt werden. Nicht zuletzt müssen die Interessen der Verbraucher bei den Entscheidungen im Fokus bleiben, die qualitativ hochwertige, gesunde Produkte kaufen möchten.
FRAGE: Wie soll der Kreis auf den demografischen Wandel reagieren? Mit Senioren-Servicebüros in jeder Gemeinde?
GERDES: Mit Seniorenbüros ist es leider nicht getan. Hier hinein fällt das ganze Thema der zunehmenden Altersarmut, der entgegengewirkt werden muss. Relevante Fragen sind auch die Mobilität, die eng an ein flächendeckendes und bezahlbares Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln gebunden ist. Weitere Ziele sind, barrierefreien Wohnraum zu schaffen und Einrichtungen wie Mehrgenerationenhäuser zu erhalten, damit auch ältere Menschen die Möglichkeit haben, an der Gesellschaft teilzuhaben.
FRAGE: Bislang gibt es eine Mehrheitsgruppe aus SPD und FDP im Kreistag? Haben Sie einen Wunschpartner?
GERDES: Wir sind offen für die Zusammenarbeit mit allen demokratischen Parteien, wenn bei einem Thema eine inhaltliche Übereinstimmung vorliegt.
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