BRETTORF, 25. März 2010


„Höllenritt an der Abschleppstange“

Abenteuer Das Wohnmobil des Ehepaares Jaskulewicz hält den unbefestigten Straßen nicht stand


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Kontrolle in der Werkstatt: In Santiago de Chile wird das Wohnmobil des Ehepaares überprüft. BILD: Jaskulewicz  Bild vergrößern

Die Brettorfer überqueren die Kordilleren. Das Fahrzeug der Reisenden muss in Chile abgeschleppt werden.

von Christian Jaskulewicz

Brettorf - Wo hört das Abenteuer auf? Wo fängt die reine Gefahr an? In Südamerika kann fast alles passieren. Haben wir uns wirklich vor Antritt der Reise klar gemacht, was 1600 Kilometer Schotterpiste auf Straßen bis in 4000 Metern Höhe bedeuten? Wir hatten uns körperlich fit gemacht und versucht, uns mit der Höhenkrankheit im Hochland der Anden auseinanderzusetzen. Uns ging es gut, das andine Hochland zu erleben, war eines der bedeutendsten Erlebnisse in unserem Leben – aber unser Fahrzeug (mit der heute unvermeidlichen elektronischen Ausstattung) war nicht vorbereitet. So erlebten wir ein unwillkommenes und zum Teil lebensgefährliches Abenteuer nach dem anderen.

Die allgemeine Einschätzung von erfahrenen Panamericanafahrern war: mit einem heckgetriebenen Wohnmobil sind die oft sehr steilen unbefestigten Straßen besser zu bewältigen. Bevor die Panamericana-Tour Wirklichkeit wurde, sind wir daher von einem vorderrad- auf ein heckgetriebenes Wohnmobil umgestiegen. Heißt Panamericana doch, dem Lauf der Kordilleren zu folgen (das zweithöchste Gebirge nach dem Himalaja), die sich entlang der Westküste durch den gesamten Kontinent erstrecken. Das bedeutet permanente Querungen der Gebirgszüge von über 4000 Metern Höhe.


Bordcomputer warnt
Schnell zeigte sich, dass unser modernes Fahrzeug für die unbefestigten Straßen Südamerikas nicht geeignet war. Der Bordcomputer stellte ein großes Hindernis dar. Schon in Argentinien kamen die ersten Warnmeldungen: „SRS-Rückhaltesystem, Gurte und Airbag außer Funktion, Werkstatt aufsuchen“. Kurz darauf blitzten sporadisch zwei rote Warnlampen für das Bremssystem auf. Wenigstens erhielt ich durch einen Anruf bei Mercedes Deutschland die Adresse der Mercedes-Vertretung in Santiago de Chile, mit 2000 Kilometern Entfernung die nächste Fachwerkstatt.

Auf der Carretera Austral, dem chilenischen Teil der Panamericana, sehe ich plötzlich aus dem Auspuff dicken blauen Qualm kommen. Sofort stelle ich den Motor ab. Was ist los? Keine Warnanzeige, kein Hinweis im Bordcomputer. Alle Werte sind normal. Keiner weiß Rat. Also besser abschleppen, bevor mehr passiert. Ich werde von einem großen MAN an der Abschleppstange mehrere hundert Kilometer, zum Teil Schotterpiste mit üblen Serpentinen, Steigungen und Gefällen, geschleppt. Ein Höllenritt an der Stange, wenn 1,5 Meter vor dir eine Schrankwand fährt und du keine Ahnung hast, was in der nächsten Sekunde geschieht.


Kontrolle in der Werkstatt
So konnte es nicht weitergehen, wir mussten handeln: Gemeinsames Überlegen brachte uns zu dem Schluss, dass es sich nur um den Dieselpartikelfilter handeln könnte. Also fühlte ich mich ermutigt, den Wagen noch einmal zu starten. Kein Qualmen! Es musste der Partikelfilter gewesen sein. Ich werde wieder selbst fahren. Eine angespannte Erleichterung erfasste mich. Würde es gehen?

Vier Wochen später erreichte ich die Werkstatt in Santiago mit vielen Fehlermeldungen im Display, aber bis dahin ohne neue Probleme. Als erstes wurde ein Diagnosegerät angeschlossen. Ergebnis: Alle Werte in Ordnung, die Auslesung des Bordcomputers ergab nichts. Dann wurde das Bremssystem genau untersucht und festgestellt, es sei alles noch so gut wie neu. Beruhigend, allerdings hätte ich gerne Ersatzbremsbeläge mitgenommen. Doch die sind in ganz Südamerika nicht zu bekommen, „nur in Stuttgart“, meinte der Werkstattleiter. Ein deutsch sprechender Mitarbeiter dolmetschte für uns. Ergebnis der Untersuchung: Mein Motor und die Bremsen seien sehr gut, was die Lichtorgel in meinem Armaturenbrett bedeutete, konnte nicht geklärt werden, ich solle sie ignorieren und fahren.

Was hatte der Werkstattbesuch ergeben? Geändert hatte sich nichts, aber wir waren beruhigt, dass der Wagen „eigentlich“ in Ordnung war.

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berichtet von der Wohnmobil-Tour des Brettorfer Ehepaares Gisela und Christian Jaskulewicz auf der legendären Panamerikana von Chile bis Alaska.






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