Angehörige fühlen sich allein gelassen
STERBEBEGLEITUNG Mit ärztlicher Hilfe nicht zufrieden – DRK und Feuerwehr springen ein
VON WOLFGANG LOEST
Bookholzberg - Einen engen Angehörigen beim Sterbeprozess zu begleiten, ist eine Herausforderung, der sich längst nicht alle Menschen stellen mögen. Und noch größer ist diese Herausforderung, wenn die Sterbenden leiden, sich ihre Bedürfnisse nicht erfüllen lassen. Diese schmerzliche Erfahrung hat die Bookholzbergerin Melanie Langenmayr am Neujahrstag machen müssen. Ihre 55 Jahre alte Mutter, die vor über zwei Jahrzehnten an Multipler Sklerose erkrankt war, lag im Sterben. Und der Ärztliche Notdienst war nicht in der Lage zu helfen.
Krankenhaus war tabu
„Sie wusste, dass sie gehen würde, doch Angst lag in der Luft. Angst zu ersticken. Wir, die Familie, waren da, taten alles, damit sie friedlich gehen konnte. Krankenhaus kam nicht in Frage. Das hatten wir ihr versprochen“, schildert Melanie Langenmayr die Situation. Was sie dann erlebte, hat ihren Glauben an das positive Wirken der Ärzte erschüttert: Der Notarzt kam zwei Stunden nach dem Anruf und teilte lediglich mit, er könne keinen Sauerstoff verschreiben. Das sei Sache des Hausarztes. Der wiederum war zwar per Handy auch am Feiertag erreichbar, sagte allerdings, dass die Krankenkasse die Verschreibung zunächst genehmigen müsse, ehe der Sauerstoff über ein Sanitätshaus beschafft werden könne. Damit war es mit der ärztlichen Hilfe getan.
DRK hilfsbereit
Melanie Langenmayr ließ sich jedoch nicht entmutigen – obwohl das Telefon des Pflegedienstes der AWo ständig besetzt und unter der Notfallnummer des Hospizdienstes niemand erreichbar war, wie sie beklagt. Am Telefon der Lotsen für pflegende Angehörige gab es schließlich einen Gesprächspartner, der sich um Hilfe bemühen wollte, auf Anhieb aber auch keine Lösung wusste.
Letzte Chance war das DRK – dort ging jemand ans Telefon und hatte auch Sauerstoffflaschen vorrätig. Allerdings ohne Druckminderer. Die Nachfrage des DRK bei der Feuerwehr hatte schließlich Erfolg: Dort gab es das gesuchte Gerät.
„Wir hatten es geschafft. Auch ohne Arzt“, beschreibt Melanie Langenmayr so etwas wie ein Glücksgefühl. Endlich konnte die Mutter mit dem seit Stunden benötigten Sauerstoff versorgt werden. „Sie war beruhigt und sie war müde, schlief. Ihre Atmung wurde flacher. Meine Schwester holte den Rest der Familie. Wir hielten Mama die Hand, ließen sie nicht allein. Sie atmete immer flacher, bis sie friedlich einschlief. Wir stellten den Sauerstoff ab. Sie war tot.“
„Gebt nicht auf, egal was Ärzte oder andere sagen“, lautet das Fazit der Bookholzbergerin. „Es lohnt sich zu kämpfen.“
Netzwerk wichtig
Dass der Ärztliche Notdienst nicht immer adäquat helfen kann, vor allem wenn es um Sauerstoff oder Schmerzmedikamente geht, weiß auch Chris Peikert-Baramsky, Vorsitzende des Hospizkreises Ganderkesee, aus ihrer Tätigkeit. Ihr Fazit: Bei den Sterbebegleitungen habe sich herausgestellt, dass es sehr wichtig sei, möglichst frühzeitig ein weit verzweigtes Netz zu knüpfen, damit Betroffene, Angehörige und betreuender Arzt im Bedarfsfall schnell Hilfe organisieren können. Allerdings sei es auch dann kaum möglich, alle Eventualitäten im Voraus zu berücksichtigen.
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