GANDERKESEE/HARPSTEDT, 9. März 2010


Netzbetreiber kommt aus der Deckung

380-KV-LEITUNG Transpower GmbH stellt Ausbaukonzept vor – Ganderkesee pocht auf Zusagen


ERDKABEL ODER FREILEITUNG? DARÜBER WILL DER ENERGIEKONZERN DIE ÖFFENTLICHKEIT INFORMIEREN.

VON HERGEN SCHELLING

Ganderkesee/Harpstedt - „Das wird der Tag der Wahrheit“, so hofft jedenfalls Gerd von Seggern. Der Sprecher der Ganderkeseer Arbeitsgemeinschaft gegen Elektrosmog (AGE) ist genauso gespannt wie die Harpstedter Interessengemeinschaft „Vorsicht Hochspannung“ sowie Politiker und Verwaltungen im Landkreis, was an diesem Dienstag zur 380-kV-Leitung Ganderkesee-St. Hülfe verkündet wird.

Nachdem seit Monaten spekuliert wurde, wie weit sich die Transpower GmbH beim Bau der Trasse noch nach dem Niedersächsischen Erdkabelgesetz richten will, stellt der Netzbetreiber, der jetzt zum niederländischen TenneT-Konzern gehört, am Vormittag auf einer Pressekonferenz in Hannover sein Ausbaukonzept für geplante Höchstspannungsleitungen vor. Am Abend sollen dann Vertreter von Kommunen und Bürgerinitiativen im Hotel „Gut Altona“ bei Wildeshausen informiert werden.

Wie mehrfach berichtet, hatte die niedersächsische Landesregierung Ende 2007 ihr Erdkabelgesetz verabschiedet, das u.a. die unterirdische Verlegung vorsah, wenn Höchstspannungsleitungen näher als 400 Meter (im Außenbereich 200 Meter) an Wohnhäusern vorbeiführen. Daraufhin hatte die damalige Eon Netz GmbH für große Abschnitte der Leitung von Ganderkesee nach St. Hülfe die Erdverkabelung angekündigt. Im August 2009 trat dann das Energieleitungsausbaugesetz (EnLAG) des Bundes in Kraft – prompt ließ Eon-Netz-Nachfolger Transpower durchklingen, dass man sich an die Zusagen zur Erdverkabelung nicht mehr gebunden fühle.

Die Gemeinde Ganderkesee, deren Ortsteil Meierhafe von der Trasse durchschnitten wird, könnte womöglich auch mit dem EnLAG gut leben: Die Abstandsregelgung aus dem Erdkabelgesetz ist auch darin festgeschrieben – und in Meierhafe verläuft die Trasse zum Teil nur ein paar Dutzend Meter neben den Wohnhäusern. In Landschaftsschutzgebieten wie der Klein Henstedter Heide indes könnten nun doch Freileitungen entstehen.

Umstritten ist nach wie vor, ob das Bundesgesetz in diesem Fall überhaupt Landesrecht aufheben kann. Dies sei zumindest „zweifelhaft“ hat die FDP-Bundestagsabgeordnete Angelika Brunkhorst einer Expertise des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages entnommen.

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Ganderkesees Fachbereichsleiter für Gemeindeentwicklung, Peter Meyer, der die Gemeinde am Abend in „Gut Altona“ vertreten wird, pocht auf die Eon-Zusagen zur Erdverkabelung: „Wenn uns jetzt etwas anderes verkündet wird“, meint er, „müssen wir aufbegehren.“


 



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