Beim Dribbeln hohe Mauern abtragen
Schule „Crossover“ schreibt Stundenplan – Regeln strikt einzuhalten – Profi-Basketballer zeigt Tricks
Durch gespreizte Beine dribbeln: Hinnerk Smolka (vorn) und die Achtklässlerin Mariam zeigten, wie’s funktioniert. Mac Davis Duah (dahinter) zeigte Basketball-Tricks. BILD: Karsten Kolloge 
von Karsten Kolloge
Ganderkesee - 9.56 Uhr, neue Sporthalle am Steinacker. Resolut steckte Hinnerk Smolka zwei Finger in den Mund und pfiff ohrenbetäubend. „Das möchte ich auch mal können“, flachste Lehrerin Barb Driever angesichts der Reaktion: 55 Achtklässler waren im Nu ruhig. Basketballtraining der etwas anderen Art konnte beginnen.
Vier Tage lang schreibt der Verein „Crossover“ den Stundenplan für die 8e der Haupt- und die 8b der Realschule. Ziel ist, das Mit- und Füreinander unter Jugendlichen schulformübergreifend zu verbessern. Zum Auftakt waren Basketballer Mac Davis Duah (SC Rist Wedel, 2. Bundesliga), Teamcoach Hinnerk Smolka sowie Sophie Niebergall gekommen.
Schon die „Sitzordnung“ auf den Bänken der Turnhalle war an diesem Tage anders als üblich. „Zusammenrücken“, hieß es. Und: „In 30 Sekunden setzt sich jeder auf einen Platz, auf dem er keinen seiner Nebenleute kennt“, forderte Smolka – und zählte von 30 rückwärts. Der Hintergrund: Crossover will Grenzen zwischen Schülern verschiedener Schulen abbauen. Am besten seien dafür Projekte von Klassen aus Gymnasium und Hauptschule geeignet, so Smolka. Aber auch bei den Ganderkeseer Schülern „merkt man, dass da eine Mauer ist“, fand Sophie Niebergall. Die Schüler würden sich gar nicht kennen.
Störer müssen schwitzen
Bevor die ersten Basketbälle aufs Spielfeld rollten, wurden Regeln für den Umgang aufgestellt – und zwar von den Schülern selbst. Wer stört, müsse sich vor allen entschuldigen, im Wiederholungsfall 20 Liegestütz absolvieren. Kaum verabschiedet, zitierte Smolka den ersten Delinquenten nach vor: „Das war eine Regelverletzung, etwas, was uns nicht weiterbringt.“ Ganz nebenbei plauderte er über Vorurteile oder über Integration und deren Vorzüge: Wer viele Mitschüler kenne, der habe zum Beispiel beim „Leihen“ von Handy-Klingeltönen die große Auswahl.
Sportlich ging’s weiter. Mal galt es, im schnellen Wechsel zu dribbeln und Mitspieler per Handschlag zu begrüßen, mal durch die gespreizten Beine anderer Achtklässler zu dribbeln, mal kerzengerade stehen zu bleiben. Mit sichtlichem Vergnügen, machten die jungen Basketballer mit.
Anfangs überwiegt Skepsis
Und das Ziel? Man wolle Anstöße geben, mit Respekt aufeinander zuzugehen, das Teamplay fördern, sagte Duah. Sport sei da ein probater Weg. Anfangs „sind meistens alle skeptisch“, aber schon am Ende des ersten Trainingstages „ist das anders“. Allerdings: Ob dieser Wandel im Umgang miteinander längerfristig anhält, das wisse er nicht, räumte Hinnerk Smolka ein.
Klassenlehrer Manfred Steputat zeigte sich angetan: Das sei Training „auf Augenhöhe der Schüler“, alle seien eingebunden, auch sei Erfahrung spürbar. Der Haupt- und Realschule könnte solche Erfahrung nützen – denn auch dort gibt es Gedanken in Richtung eines „gemischten“ Sportunterrichtes für Jugendliche beider Schulen.
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