Mit Aufpasser und Krautwasser zum Rap
Schule Achtklässler reimen mit Samy Deluxe – „So eine Begegnung wird schon etwas lostreten“
Gemeinsames Spiel mit Worten, Silben und Reimen: Samy Deluxe (stehend) und die 8. Klassen trugen Bausteine für einen Rap zusammen. BILD: Karsten Kolloge 
von Karsten Kolloge
Ganderkesee - Wenn er einen Rap-Text entwickelt, so sagt Samy Deluxe, dann sei das gar nicht so viel anders als einen Aufsatz in der Schule zu schreiben. Da müsse es einen Ausgangspunkt geben, möglichst einen Spannungsbogen, auch eine „Conclusion“. Am Mittwoch kam der erfolgreiche Hip-Hop-Solokünstler in die Ganderkeseer Haupt- und Realschule. Sein Ziel: Er wollte mit 55 Achtklässlern einen kurzen Rap entwickeln – und zugleich ein bisschen Integrationsarbeit leisten.
Logisch, dass sich das Gastspiel des Rappers in der Schule herumgesprochen hatte. „Samy“ war das Thema auf den Fluren, aufgeregt wieselten Schüler vor dem Musikraum herum. Drinnen tauchten ganz pragmatische Fragen auf. Wie sollte man den Gast ansprechen? „Herr Deluxe“, „Herr Samy“ – oder einfach „Samy“?
Der Einsatz des Rapper-Stars (er ist Sohn eines sudanesischen Vaters und einer deutschen Mutter) war Teil eines etwas anderen Unterrichts: An vier Tagen schreibt der Verein „Crossover“ den Stundenplan für die 8e der Haupt- und die 8b der Realschule. An den ersten Tagen ging es um Teamfähigkeit, jetzt um Kreativität.
Ein kompletter Rap könne an so einem Tag natürlich nicht entwickelt werden, schränkte Samy Deluxe, eigentlich Samy Sorge, ein. Dazu sei die Zeit zu kurz. Sein Alternativ-Konzept: Er regte die Achtklässler dazu an, in Kleingruppen aufzuschreiben, welche Begriffe sie mit den Stichworten Opfer, Täter und Vermittler verbinden. Phase zwei: Jetzt sollten die Schüler zu den Begriffen Reime finden. Phase drei: Aus einem Extrakt sollte ein kurzer Rap entstehen.
Ganz so bierernst war die Übung nicht zu sehen. „Krautwasser“ hatte da eine Gruppe auf „Aufpasser“ gereimt. „Da sei mal dahingestellt, ob Krautwasser legal erhältlich ist“, flachste der Gast. Andere Begriffe fand auch er „unreimbar“. Ein Beispiel: Integrationsprobleme. „Wenn Ihr da einen sauberen Reim findet, kriegt Ihr ’nen Zwanni von mir.“
Zwischendrin erzählte der Star von sich, diskutierte mit den Schülern zum Beispiel über Drogen: „Entweder man kontrolliert sie, oder sie kontrollieren einen selbst.“ Auch die erstgenannte Variante „kann nach hinten losgehen“.
Und das Ziel solchen Unterrichts? Es gehe dem Verein darum, dass Kinder und Jugendliche lernen, vorurteilsfrei aufeinander zuzugehen, auch über den Tellerrand zu schauen, offen zu sein gegenüber Fremdem, sagte Julia von Dohnanyi, die bei Crossover die Einsätze koordiniert. Um das zu erreichen, sind die Projekte des Vereins so angelegt, dass Schüler aus mindestens zwei unterschiedlichen Schulen und/oder Stadtteilen zusammenarbeiten.
Ob die eine Woche denn auch langfristig Wirkung zeigt? Von Dohnanyi: „So eine Begegnung, die wird schon etwas lostreten.“
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