Um Mitternacht in der Notruf-Zentrale
Sicherheit Leitstelle des Landkreises rund um die Uhr besetzt – Abends wird es ruhiger
von Felix Frerichs
Ganderkesee - Grüne Ziffern zeigen eine 23 und zwei Nullen - es ist 23 Uhr. Michael Schäfer trägt kurze Hosen und Birkenstock-Sandalen. Freundlich bittet er in einen großen Raum. Der Raum besteht aus Bildschirmen, Knöpfen und Telefonen. An der Wand hängt eine große Karte des Landkreises Oldenburg.
Schäfer setzt sich an seinen Arbeitsplatz: eine fünf Meter lange Schreibtisch-Konsole, in die Schalter und Mikrofone eingelassen sind. Wir befinden uns im Obergeschoss der Feuerwehrtechnischen Zentrale (FTZ) in Ganderkesee, der Einsatz-Leitstelle des Landkreises Oldenburg.
Anrufe über die „112“
In diesem Raum gehen alle Notrufe aus dem gesamten Kreisgebiet ein. Ob kleiner Brand oder schwerer Verkehrsunfall mit Toten und Verletzten: Sobald auf einem Festnetz- oder Mobiltelefon im Landkreis die 112 gewählt wird, landet der Anrufer bei Schäfer und dessen Kollegen.
Die grüne Digitaluhr zeigt 23.15 Uhr. Im Notruf-Rechner sind bereits 45 Einträge vorhanden. Alle von diesem Tag, ein Dienstag. „35 Anrufe haben zu Einsätzen geführt“, sagt Schäfer. Von seiner Konsole kann er auf insgesamt 32 Freiwillige Feuerwehren im Kreis zurückgreifen, aber auch die DLRG, das Technische Hilfswerk oder den Katastrophenschutz kann er im Notfall alarmieren.
Im Moment ist es ruhig. Das liegt an der Tageszeit. Zeit für einen Plausch und ein paar Anekdoten. „Gestern hat eine Frau aus Schierbrok angerufen. Sie sagte, eine Schlange ist in ihrem Teich und hat alle Fische gefressen“, erzählt der Leitstellen-Disponent. Schäfer alarmierte den Ortsbrandmeister und fragte telefonisch einen Schlangen-Experten aus Oldenburg um Rat. „Es handelte sich um eine Ringelnatter. Sie wurde eingefangen und wieder ausgesetzt.“
Von solchen Momenten erzählt Schäfer gerne. Mehr, als von den tragischen Unfällen und schweren Schicksalen. Aber es gibt sie natürlich immer wieder. Ein „Berufs-Sarkasmus“ hilft den Einsatzkräften und auch Schäfer oft, das Erlebte zu bewältigen. Deswegen erzählen sie auch viel lieber die unterhaltsamen, lustigen Geschichten.
Wie wurde er Leitstellen-Disponent? Michael Schäfer war zwölf Jahre Zeitsoldat bei der Marine. Nebenbei arbeitete er im Rettungsdienst. Seit zehn Jahren ist der Familienvater in der Leitstelle des Landkreises Oldenburg auf dem Gelände der Feuerwehrtechnischen Zentrale tätig. Er ist Angestellter des Kreises.
Auf der Digital-Uhr über den Bildschirmen ist es 23.36 Uhr. Seit Betreten der Raumes ist ein ständiges Klicken zu hören. Was ist das? „Die Totmann-Schaltung,“ erklärt Michael Schäfer. Er muss einem System ständig bestätigen, dass er wach ist. Ansonsten wird Alarm ausgelöst.
Ein Bewegungsmelder über seinem Kopf registriert permanent seine Aktivität. Das löst das ständige Klicken aus. Sollte sich der diensthabende Disponent zehn Minuten nicht bewegen, etwa bei einem Herzinfarkt oder Bewusstlosigkeit, geht der Alarm los. Damit soll gewährleistet sein, dass die Leitstelle immer in Betrieb ist. „Ein Ausfall der Leitstelle könnte fatale Folgen haben“, so Schäfer.
Roter Knopf letztes Mittel
Diese Vorsichts-Maßnahme erklärt schließlich die letzte Frage. Es ist 23.58 Uhr. Wofür ist der rote Knopf über der Konsole, den man sonst nur aus Filmen kennt? Schäfer lacht. „Das will jeder wissen“, sagt er. „Der rote Knopf ist die letzte Chance. Sollte der Bewegungsmelder einmal versagen und der Alarm versehentlich ausgelöst werden, dann muss ich sofort hier drauf hauen.“ Ein ausgeklügeltes System. Mit Sicherheit. Rund um die Uhr. 24 Stunden.
ENDE DER SERIE
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