HOLZKAMP, 2. September 2010


Nebenwirkungen „machen mir Angst“

Biogas SPD-Politiker greifen Angebot auf – Vom Thema überrollt – Suche nach Steuerungsinstrumenten


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Die Mehrheit der Nachbarn stehe der Anlage ablehnend gegenüber, berichtete Maike Stellmann ihren Gästen Christel Zießler, Rolf Oetken und Werner Brakmann BILD: Kolloge  Bild vergrößern

Massive Beeinträchtigungen erwartet Maike Stellmann, wenn die Biogasanlage in Holzkamp gebaut wird. SPD-Politiker erörterten Möglichkeiten des Einwirkens.

von Karsten Kolloge

Holzkamp - Als Maike Stellmann sich zusammen mit ihrem Ehemann Klaus am „Tag des offenen Hofes“ eine Biogasanlage in Lüsche (Kreis Vechta) anschaute, stand für sie sofort fest: „Wohnen möcht’ ich da nicht!“ Heftig sei der Gestank, laut der Betrieb. Und andere mögliche Nebenwirkungen „machen mir Angst“. Der Anlass für die damalige Besichtigung: Auch nahe des Stellmannschen Wohnhauses in Holzkamp soll eine Biogas-Anlage gebaut werden – was Maike Stellmann strikt ablehnt.

Bei einer Sitzung des Gemeindeentwicklungsausschusses hatte sich die Holzkamperin kürzlich an Politiker gewandt. Sie sollten kommen, sich ein Bild machen. Am Dienstagabend nahmen drei SPD-Ratsmitglieder die Einladung an.

„100 Meter vom Wohnzimmer entfernt“ solle die Biogas-anlage entstehen, zeigte Maike Stellmann dem SPD-Fraktions-Chef Werner Brakmann sowie Christel Zießler und Rolf Oetken. Dass es heftig riechen werde, steht für sie außer Frage. Sie glaube zum Beispiel nicht, dass der Silagehaufen bei jeder Entnahme auf- und anschließend wieder zugedeckt wird – so, wie es bei einer Info-Veranstaltung beteuert worden sei. „Das macht kein Landwirt.“


Quer durch Ganderkesee
Zweitens seien da der Betriebs-Lärm und die Verkehrsbelastung. Mit mehr als 1000 Anlieferungen pro Jahr sei zu rechnen, teils müssten die Rohstoffe quer durch Ganderkesee gefahren werden. Drittens seien da Ängste: Da werde es in der Anlage das hochgiftige Gas Schwefelwasserstoff geben. Und: Biogas-Anlagen stünden bei Tierärzten in Verdacht, chronischen Botulismus zumindest bei Rindern zu begünstigen.

Im Übrigen frage sie sich, was ihr Resthof mit einer Biogas-Anlage als Nachbarin noch wert sei. Auf „gefühlte 50 Prozent“ schätzt sie die Minderung.

Die SPD-Politiker zeigten Verständnis. Grundsätzlich „nimmt es überhand mit den Biogasanlagen“, befand Christel Zießler. Das mache ihr „ein bisschen Angst“. Allerdings sei man hier noch „ziemlich unwissend“, gestand Ratsherr Rolf Oetken frank und frei ein. „Das Thema hat uns überrollt.“

Fraktionsvorsitzender Werner Brakmann kündigte einen Fragenkatalog an die Verwaltung an: „Wir brauchen Zahlen“, zum Beispiel über den Trend zum Maisanbau. Auch wolle man Informationen über das Instrument Konzessionsabgabe (für Wärme- bzw. Gasleitungen über gemeindlichen Grund) oder über gesetzliche Grundlagen bei Kapazitätserweiterungen.

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„Brandbriefe“ empfohlen
Christel Zießler riet, „Brandbriefe“ mit den Sorgen an hiesige Abgeordnete zu senden, um den Biogas-Boom über eine Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes zu bremsen. Zurückhaltend zeigten sich die Gäste bei einer Anregung von Maike Stellmann: Der Rat könne beschließen, das man die Wärme aus der Holzkamper Biogasanlage nicht fürs Freibad abnehmen werde. „Dann würde die Anlage nicht gebaut.“




 



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