Weck-Ruf für schlafenden Riesen
Fachtag Pflege Betroffene wünschen eigene Kammer – Resolution beabsichtigt
80 Interessierte waren zu dem Fachtag gekommen. Vormittags referierten Martina Hasseler (links) sowie (von rechts) Heiner Friesacher und Christoph Prehn, hier im Gespräch mit Christel Zießler ( BILD: Kolloge 
von Karsten Kolloge
Falkenburg - „Wir brauchen eine Pflegekammer, um der Pflege eine Stimme und auch ein Gesicht zu geben.“ – Das, so ist sich Heinz Schnake vom Diakoniekonvent Lutherstift sicher, war am Dienstag die wichtigste Botschaft des 1. Fachtages Pflege im Falkenburger Lutherstift. 80 Beschäftigte aus dem Bereich der Pflege waren zusammengekommen, um über die Zukunft ihres Berufes zu reden – in einer Zeit, da ihre Arbeitsbedingungen als unattraktiv gelten, der Pflegebedarf aber dramatisch wächst.
Pflege, das sei „ein Thema ohnegleichen“, befand denn auch Lutherstift-Geschäftsführerin Dr. Edith Aschenbrenner in ihrer Begrüßung. „Die Arbeitsbedingungen gehören auf den Prüfstand“, forderte Vize-Bürgermeisterin Christel Zießler.
Genau das war ein Ziel des Tages. Es sei wichtig, den Berufsstand in der öffentlichen Wahrnehmung aufzuwerten, so Schnake. „Pflege kann mehr leisten als nur zu pflegen“, schließlich gehe es hier um eine ganzheitliche Betreuung von Menschen. Und: Es sei wichtig, sich auch politisch einzumischen.
Politisch Flagge zu zeigen, dafür hatte bereits am Vormittag Prof. Dr. Heiner Friesacher, Etelsen, geworben. Kirchen, Medizin und Ökonomie hätten das derzeitige Bild von der Pflege und der Pflegekraft maßgeblich gezeichnet – ein Bild, in dem die Pflegenden „brav“ pflegen, „weil sie zu den Gutmenschen gehören“. Obwohl Tausende betroffen seien, so Friesacher, mangele es an politischer Durchsetzungskraft. „Der Pflege-Riese schläft“, beschrieb der Referent seinen Eindruck im Gespräch mit der NWZ .
„Pflege ist unsere Zukunft!“ warb Prof. Dr. Martina Hasseler, Oldenburg, in ihrem gleichnamigen Vortrag. Qualifizierung sei hier einer der Schlüssel. Es habe sie echauffiert, als sie jüngst von einem Arzt hörte, dass „Pflege auch mal wieder Betten schieben darf“. Denn solche Worte zeigten, dass Qualifizierung nicht geschätzt werde. Doch: Eben diese Qualifizierung sei wichtig, nachweislich auch für den Erfolg von Heilungsprozessen.
Hasseler ging auch der Frage nach, welche Faktoren dazu beitragen, dass Pflegekräfte sich gestärkt fühlen. Hier spiele die Unterstützung durch Führungskräfte eine Rolle, auch das Wissen um eine gewisse Autonomie. Es spreche Bände, wenn man heute beobachte: Je länger Pflegekräfte im Arbeitsprozess sind, desto unzufriedener würden sie.
Über die (komplizierte) Finanzierung der Ausbildung sprach an diesem Vormittag Christoph Prehn von der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft. Am Nachmittag schlossen sich Workshops an.
Der 1. Fachtag Pflege war zugleich die Auftaktveranstaltung einer Reihe, die unter dem Titel „Falkenburger Forum“ laufen soll. Wie Lutherstift-Geschäftsführerin Dr. Edith Aschenbrenner ankündigte, wolle man mit dieser Reihe jeweils zweimal jährlich (im Frühjahr und im Herbst) gesellschaftlich relevante Themen intensiver beleuchten.
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