GANDERKESEE, 2. Februar 2012


Ausbildung für Imame gegen Extremismus

Integration Universität Osnabrück leistet Pionierarbeit – Neuer Studiengang


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Die Radius-Vertreter Rolf Schütze (links) und Hermann Abeln BILD: Wolfgang Loest  Bild vergrößern

Der Referent hat untersucht, welche Rolle die Vorbeter in Deutschland spielen. Ihre Bedeutung sei unterschätzt worden.

von Wolfgang Loest

Ganderkesee - Die deutsche Politik beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit Migration und in der Folge auch mit dem Islam. Doch die Rolle der Imame, die für eine erfolgreiche Integration der zugewanderten Bürger wichtig sind, ist bislang sträflich vernachlässigt worden. Darauf hat Rauf Ceylan, Professor für Religionswissenschaft an der Uni Osnabrück, in seinem Vortrag im Rathaus hingewiesen, zu dem ihn die das Bildungsforum Radius eingeladen hatte.

Weltweit gibt es laut Ceylan etwa 1,5 Milliarden Muslims, davon leben um die vier Millionen in Deutschland. Ihre religiöse Betreuung wird in über mehr als 200 Moscheen der unterschiedlichsten Größe gewährleistet, wobei die Moscheevereine inzwischen auch kulturelle und soziale Funktionen übernommen haben.

Imame spielen in den islamischen Gemeinden eine wichtige Rolle, sie sind Vorbilder und Führungspersönlichkeiten. Von den gut 2000 Imamen, die in Deutschland tätig sind, stammen mehr als 90 Prozent aus dem Ausland. „Sie sind mit der Lebenswirklichkeit hierzulande meistens nicht vertraut“, konstatierte der Religionswissenschaftler, der mit einer empirischen Untersuchung über ethnische Kolonien in Deutschland promoviert hat. Gut zwei Drittel der Imame stammt aus der Türkei und hält sich im Auftrag der türkischen Regierung nur jeweils vier Monate in der Bundesrepublik auf, so Ceylan.

Die Konrad-Adenauer-Stiftung versuche seit einiger Zeit, die Vorbeter in Kursen auf das Leben in Deutschland vorzubereiten. „Aber das ist nur die zweitbeste Lösung“, konstatierte der Referent. Es sei wichtig, Imame nicht aus dem Ausland zu importieren, sondern in Deutschland auszubilden. Über das Weiterbildungsprogramm für Imame, das die Uni Osnabrück aufgelegt hat, und die Ausbildung von Religionspädagogen hinaus soll dort ab dem Wintersemester 2012/13 auch islamische Theologie angeboten werden.

In Deutschland ausgebildete Imame könnten einen Islam verbreiten, der kompatibel ist mit Demokratie und Menschenrechten, unterstrich Ceylan. Dies könne Extremismus entgegenwirken.

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