GANDERKESEE, 7. Februar 2012


Glaubensbekenntnisse helfen nicht weiter

Windenergie Ganderkeseer Unternehmen setzt aufs Festland – Kritik an Offshore-Förderung


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Dr. Malte Huchzermeier (links) und Matthias Stommel setzen auf Windparks, die an Land stehen. BILD: Wolfgang Loest  Bild vergrößern

Die Fachleute entwickeln und betreiben Windparks in Europa und den USA. Der Betrieb ist fast 20 Jahre alt.

von Wolfgang Loest

Ganderkesee - Die Energiewende hat ihren Preis: Strom wird nach einschlägigen Prognosen in den nächsten Jahren teurer – nur die Steigerungsraten scheinen noch unklar zu sein. Wer Öko-Strom verwenden möchte, muss ohnehin noch einen zusätzlichen Aufpreis zahlen. Der in Ganderkesee ansässige konzernunabhängige Energieerzeuger Volkswind verspricht Stromkunden in Regionen, in denen seine Windparks stehen, neuerdings Ökostrom zu Tarifen, die deutlich unter dem üblichen Marktpreis liegen.

Ein Pilotprojekt werde derzeit mit der in Mannheim ansässigen MVV Energie AG entwickelt, sagte Volkswind-Geschäftsführer Matthias Stommel im Gespräch mit der NWZ . Und auch für den Windpark, den das seit 1993 in Ganderkesee ansässige Unternehmen im Hohenbökener Moor realisieren möchte, käme ein solcher Tarif in Betracht. Auf diese Weise könnten die Ganderkeseer Bürger nicht nur indirekt von höheren Gewerbesteuereinnahmen profitieren, sondern auch ganz unmittelbar durch günstigeren Strombezug.

Dass die Preise für Strom signifikant in die Höhe schießen werden, ist auch für Volkswind-Geschäftsführer Dr. Malte Huchzermeier keine Frage. Dabei spiele der Bau von Windparks auf hoher See eine nicht unwesentliche Rolle. Die Offshore-Windernte sei wirtschaftlich unsinnig – und technisch ein unkalkulierbares Abenteuer, wie Stommel ergänzte.

Laut Energie-Einspeisungs-Gesetz wird Windenergie, die auf dem Festland erzeug wird, in diesem Jahr mit neun Cent pro Kilowattstunde vergütet. Strom aus Offshore-Windparks erhält mit 19 Cent mehr als doppelt so viel. Und außerdem müssen Investoren, die sich auf hoher See engagieren, als einzige Erzeuger regenerativer Energien nicht selbst für die Anschlüsse der Generatoren ans Stromnetz sorgen. „Und die Kosten für den Netzanschluss sind auf See etwa so hoch wie die Windparks selber“, wies Huchzermeier auf die erheblichen Kosten hin, die auf die Allgemeinheit zukommen.

„Die Politik will zeigen, dass es bei der Energiewende vorangeht“, lautet für Stommel die Begründung für die extrem hohe Förderung der Windenergieausbeute auf See mit Steuermitteln. „Aber Energie ist Physik. Da kommt man mit Glaubensbekenntnissen nicht weiter“, unterstrich der Techniker.

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Auch die Nutzung der Sonnenenergie ist für die Volkswind-Manager angesichts einer Einspeisevergütung von rund 24 Cent für Solarstrom keine wirkliche Alternative. Die Zukunft liege in ihrer Branche, sind Stommel und Huchzermeier überzeugt – und zwar an Land, wo Reparaturen an den mechanisch extrem stark beanspruchten Anlagen schneller, leichter und damit preiswerter erledigt werden können. Und wenn Biogas und Kraft-Wärme-Kopplung damit kombiniert würden, sei eine kontinuierliche Stromversorgung garantiert.






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