GANDERKESEE, 10. Februar 2012


Politik entdeckt die Wallhecken

Naturschutz Müller mobilisiert gegen neues Gesetz – Landtagsfraktion zu Besuch


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Georg Müller erläuterte Detlef Tanke (von links) und weiteren Mitgliedern der SPD-Landtagsfraktion vor den Wallhecken an der Straße Große Schafheide die Situation vor Ort. BILD: Wolfgang Loest  Bild vergrößern

Der Schutzstatus wurde entscheidend verändert. Experte Georg Müller befürchtet einen regelrechten Kahlschlag.

von Wolfgang Loest

Ganderkesee - Die Politik hat die Wallhecken entdeckt: Nachdem der Ganderkeseer Pilz- und Wallhecken-Experte Georg Müller im vergangenen Jahr auf die Verwässerung des Naturschutzes hingewiesen hatte, ist die SPD-Landtagsfraktion an diesem Thema dran. Der Arbeitskreis Umwelt der Fraktion hat am Donnerstag einen Ortstermin mit Georg Müller in Ganderkesee ausgemacht. Und die Gemeinderatsfraktionen von SPD und Grünen haben sich ebenfalls am Donnerstag mit Anträgen zu Wort gemeldet. Die SPD verlangt, dass die Naturschutzbehörde umgehend alle zu schützenden Wallhecken kartiert. Und die Grünen beantragen, 80 000 Euro im Nachtragshaushalt für die Erneuerung und Erweiterung des Wallhecken-Bestandes in der Gemeinde bereitzustellen.

Die Besuchergruppe aus Hannover unter Leitung des stellvertretenden Fraktionschefs Detlef Tanke sah sich auf Einladung von Müller im Weg Große Schafheide um. Dort gibt es auf beiden Seiten Wallhecken, die etwa 250 Jahre alt sind. Die eine Hecke steht unter Schutz, die andere seit der Novellierung des niedersächsischen Naturschutzgesetzes nicht mehr, weil sie sich am Waldrand befindet.



Das sei ein absolutes Unding, unterstrich Müller. Aufgrund der Neuregelung hätten allein in Ganderkesee etwa 45 Kilometer Wallhecken ihren Schutzstatus verloren, darunter auch 800 Jahre alte Anpflanzungen. Im Landkreis belaufe sich der Verlust auf 200 Kilometer, in ganz Niedersachsen sogar auf bis zu 8000 Kilometer. Und da nach der gültigen Rechtslage die übrigen Wallhecken nur dann weiterhin unter Schutz stehen, wenn sie bis Ende März nächsten Jahres kartiert sind, drohe ein weiterer Aderlass. „Die Landkreise sind dazu personell gar nicht in der Lage“, betonte Müller. Es bestehe die Gefahr, dass nur noch ein Fünftel der Wallhecken Niedersachsens langfristig überleben werden. Damit gehe wertvoller Lebensraum verloren.

„Das Thema ist uns wichtig“, unterstrich Detlef Tanke bei der improvisierten Pressekonferenz. Nachhaltigkeit im Umweltbereich sei unverzichtbar. Die Fraktion werde sich dafür einsetzen, den alten Schutzstatus wieder herzustellen – am besten Anfang kommenden Jahres nach einem Regierungswechsel. „Dann stehe ich ohnehin spätestens eine Woche später bei Euch auf der Matte“, versprach Müller.

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