Cordes: Nachricht wie „ein kalter Wasserguss“
380-kV-Leitung IG „Hochspannung“ und Samtgemeinde kündigen Widerstand gegen Pläne der Transpower GmbH an
von stefan Idel
Harpstedt - „Das ist Enttäuschung pur“, reagierte Hiltraud Lindemann, Mitbegründerin der Interessengemeinschaft (IG) „Vorsicht Hochspannung“ auf die Hiobs-Botschaft aus Hannover: Die 380-kV-Leitung zwischen Ganderkesee und St. Hülfe (Kreis Diepholz) soll nur die ersten 8,3 Kilometer (vom Umspannwerk Ganderkesee bis nördlich Klein Henstedt) unterirdisch verlegt werden. Das gab der Netzbetreiber Transpower GmbH, eine Tochter des niederländischen TenneT-Konzerns, bekannt.
Langes Gezerre
Sie habe stets gehofft, dass das Niedersächsische Erdkabelgesetz angewendet werde, bekannte Lindemann. Nach diversen Gesprächen mit Ministerpräsident Christian Wulf und Agrar-Staatssekretär Friedrich-Otto Ripke (beide CDU) habe sich die IG „auf der sicheren Seite“ gewähnt. „Eigentlich sollte die Politik für den Bürger da sein“, zeigte sich Lindemann von dem monatelangen Gezerre um Zuständigkeiten enttäuscht. Bei der Projektierung der Trasse komme nun offenbar das Energieleitungsausbaugesetz (EnLAG) des Bundes zur Anwendung. „Wir werden den Kopf aber nicht in den Sand stecken“, kündigte Lindemann weitere Gespräche an. Zunächst werde die IG ihren künftigen Kurs abstecken.
Von einem „kalten Wasserguss“ sprach Harpstedts Samtgemeindebürgermeister Uwe Cordes, als er von den Plänen der Transpower GmbH erfuhr. Aus seiner Sicht gelte das Niedersächsische Erdkabelgesetz. Cordes stellte klar: „Wir gehen gegen die Pläne des Unternehmens an.“ Das Landesgesetz sieht unter anderem die unterirdische Verlegung vor, wenn Höchstspannungsleitungen näher als 400 Meter (im Außenbereich 200 Meter) an Wohnhäusern vorbeiführen. Daraufhin hatte die damalige Eon Netz GmbH für große Abschnitte der Leitung von Ganderkesee nach St. Hülfe die Erdverkabelung angekündigt.
Focke bedauert Ergebnis
Der Landtagsabgeordnete Ansgar Focke (CDU) bedauerte, dass Transpower auch die Flächen in der Henstedter Heide mit einer Freileitung durchziehen wolle. Er habe dies in einem Gespräch mit Vertretern von Transpower und deren Mutterkonzern TenneT „als unbefriedigend für die Natur und für die Menschen zurückgewiesen.“
Aus Sicht der Gemeinde Ganderkesee gilt die Lösung als erfreulich, wie Bürgermeisterin Alice Gerken-Klaas sagte. Auch Gerd von Seggern, Sprecher der Ganderkeseer Arbeitsgemeinschaft gegen Elektrosmog (AGE) zeigte sich zufrieden. Wie die FDP-Bundestagsabgeordnete Angelika Brunkhorst (Wohlde) rechnet aber von Seggern jetzt mit Klagen im Bereich der Samtgemeinde Harpstedt. Die AGE werde sich mit der IG „Vorsicht Hochspannung“ absprechen. Am Dienstagabend wurden Vertreter der betroffenen Kommunen sowie der Bürgerinitiativen im Hotel „Gut Altona“ bei Wildeshausen über den aktuellen Stand informiert.
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