HARPSTEDT, 29. Oktober 2010


Gegen Hühnerställe formiert sich Protest

Landwirtschaft Neue Bürgerinitiative informiert bei Diskussionsabend – Kritik an Massentierhaltung


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Plädoyer für Tierhaltung in bäuerlichen Landwirtschaftsbetrieben: Eckehard Niemann (AbL, stehend) sprach beim Infoabend der Bürgerinitiative um Niels Bolt (links). BILD: Astrid Kretzer  Bild vergrößern

Gastredner bezogen Stellung gegen Massentierhaltung. Die Initiative sammelt Unterschriften.

von Astrid Kretzer

Harpstedt - „Kein Vechta, Cloppenburg oder Lohne in der Samtgemeinde“: Unter der Überschrift wehrt sich die neu gegründete Bürgerinitiative (BI) Köhren-Harpstedt gegen industrielle Geflügelhaltung und sammelt seit zwei Wochen Unterschriften gegen ei-ne geplante Legehennenbruteier-Stallanlage in Groß Köhren. Wie berichtet, plant dort die Sander GmbH in der Nähe der Reitanlage zwei Ställe für je 19 800 Elterntiere. Der Bauantrag für das privilegierte Bauvorhaben ist gestellt, wie jüngst im Beckelner Gemeinderat berichtet wurde. Rund 250 Unterschriften gegen das Vorhaben sind laut BI-Vorsitzendem Niels Bolt bisher zusammengekommen; und die Aktion solle weiterlaufen.

Interessierte und  Mitstreiter gewinnen wollte die Gruppe auch beim Diskussionsabend in der „Wasserburg“ in Harpstedt. Vor gut 40 Interessierten, darunter auch Beckelner Ratsvertreter, nahmen auf Einladung der Initiative  Tierschützer, Vertreter von BUND, Bündnis 90/Grüne sowie der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) Stellung. Fern geblieben waren Vertreter der Bauverwaltung und der Investor. Zum Bedauern von Bolt, der betonte: „Wir wollen informieren, nichts anderes soll es sein.“

Problem sei die Privilegierung des Bundes für Stallbauten, so Bolt: „Aber 20 000 in einem Stall – das hat nichts zu tun mit bäuerlicher Landwirtschaft.“ Ein Plädoyer für „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ hielt Eckehard Niemann  (AbL). Ein „erster Einbruch in Agrarfabriken“ sei gelungen mit dem Käfigverbot, Bauern seien in die Lücke gestoßen: Darum gehe es auch in anderen Bereichen. Die Perspektiven in der Hähnchenmast zeichnete er düster: Er erwartet den „Zusammenbruch des Markts“ und sprach von „Geflügelblase“: Angesichts stagnierenden Fleischkonsums der Deutschen könnten im Jahr 80 neue  Mastställe dazukommen – in Bau/Planung seien 900. Niemann stellte in Frage, ob es sich für Landwirte lohne: „Es ist Wahnsinn, für 40 000 Tiere für eine halbe Mio. Euro einen halben Arbeitsplatz zu kaufen, der in Zukunft vielfach wegfallen wird.“ Auch begäben sich Investoren, „oft Familienbetriebe, die aufs Dorf gehören“, durch Vertragsmast in Abhängigkeit weniger großer Konzerne. Niemann trat ein für eine geänderte Nutztierhaltungsverordnung und gab sich überzeugt,  ein Verbot von Massentierhaltung rufe „keinen Aufschrei mehr“ hervor. Als denkbaren Ansatz, um  sich gegen Großställe zu wehren, nannte Niemann etwa eine Plausibilitätsanalyse der Antragsunterlagen hinsichtlich Emissionen.

Nein zu Massentierhaltung sagten auch die Grünen, Waltraut Bergmann (BUND), die auf klimaschädliche Emissionen aus Ställen und Nitratbelastung verwies, sowie Edith Kaminski von der Tierschutzgruppe Wildeshausen: Die Hühner könnten „keinerlei artgerechtes Leben“ führen. Gefordert sahen sie den Gesetzgeber. Aber auch an die Verbraucher appellierte Kaminski, „vielleicht etwas mehr zu bezahlen und etwas weniger Fleisch zu essen, damit so eine Tierhaltung wegfällt“. Ein Gedanke, der Diskussionsstoff bot: „Sie können den Menschen nicht vorschreiben, was sie essen“, verwies ein Zuhörer auf gestiegenen Fleischbedarf seit den 50ern: „Wollen Sie das Fleisch aus Südamerika holen, wenn die großen Mastställe wegfallen?“

mit den geplanten zwei Hühnerställen für je 19 800 Tiere in Groß Köhren hat die Gemeinde Beckeln erteilt. Das teilte Bürgermeister Heinz Nienaber auf Anfrage mit: „Unser Einvernehmen liegt beim Landkreis.“ Ein Nutzungsvertrag mit dem Bauherrn, in dem u. a. die Instandhaltung eines 80 m langen geschotterten Zufahrtsabschnitts durch den Investor geregelt wird, ist Nienaber zufolge inzwischen unterzeichnet. Aus Gemeinde-Sicht stehe dem Vorhaben nichts entgegen, „wenn die Abstände eingehalten sind und das Emissionsgutachten vorliegt“.





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