HARPSTEDT, 8. Februar 2012


Im Jahr 1912 ertönt erstes Abfahrtsignal

Jubiläum Delmenhorst-Harpstedter Eisenbahn feiert 100-jähriges Bestehen – Für 9. Juni Festakt geplant


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Das Empfangsgebäude in Dünsen während der Abnahmefahrt für die neue Eisenbahnstrecke Harpstedt-Delmenhorst am 5. Juni 1912. BILD: Sammlung Hilmer Meyer  Bild vergrößern

Die Entwicklung der DHE stellt die NWZ  in einer Serie dar. Die erste Folge beleuchtet die Zeit von den Anfängen bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges.

von Marén Bettmann

Harpstedt - Am 5. Juni 1912 stieg in Harpstedt zum ersten Mal Dampf aus einer Eisenbahnlokomotive auf. Die „Kleinbahn Delmenhorst-Harpstedt GmbH“ schickte ihren ersten Zug – von der Bevölkerung liebevoll „Jan Harpstedt“ genannt – auf die Reise in Richtung Delmenhorst. Bis zum heutigen Tage herrscht auf dieser 22,5 Kilometer langen Schienenverbindung Betrieb. An diesen Beginn ihrer 100-jährigen Geschichte erinnert die Delmenhorst-Harpstedter Eisenbahn (DHE), wie sie heute heißt, in diesem Jahr mit einer Jubiläumsfeier. Die NWZ  startet dazu eine Serie, die die DHE in seiner Geschichte und unternehmerischen Entwicklung vorstellt.

Offiziell gefeiert wird das DHE-Jubiläum am 9. Juni zunächst mit einem offiziellen Festakt mit geladenen Gästen, anschließend wird für die breite Öffentlichkeit ein Tag der offenen Tür veranstaltet. Über den genauen Ablauf wird die NWZ  später berichten.

Um Güter und Personen zwischen Harpstedt und Delmenhorst befördern zu können, schlossen sich 1910 der Königlich Preußische Staat, das Großherzogtum Oldenburg, die Provinz Hannover, die Stadt Delmenhorst, der Flecken Harpstedt sowie die Landgemeinden Dünsen, Groß Ippener, Kirchseelte, Heiligenrode und Groß Mackenstedt zur Kleinbahn Delmenhorst-Harpstedt GmbH zusammen. Bald darauf begann der Bahnbau. 17,6 Kilometer befanden sich auf preußischem, 4,9 Kilometer auf oldenburgischem Gebiet.

Neben Schülern und Berufstätigen brachten vor allem Ausflügler, die die Harpstedt und seine Umgebung besonders schätzten, beträchtliche Einnahmen. Aber auch die Beförderung landwirtschaftlicher Produkte sowie von Kohle und Düngemitteln sorgten für Umsatz.

Der 1. Weltkrieg unterbrach diese positive Entwicklung, der Verkehr wurde eingeschränkt. Erst 1925 hatten sich die Verhältnisse so weit gebessert, dass die Anzahl der Fahrten wieder aufgestockt werden konnte. Etwa 60 000 Tonnen Güter und 140 000 Fahrgäste beförderte die Kleinbahn damals im Jahr. Für den immer stärker werdenden Ausflugsverkehr gab es ab 1928 sogar sonntags durchgehende Wagen von und nach Bremen-Hauptbahnhof.

Im Zuge der Aufrüstung entstanden Mitte der 30er Jahre von den Bahnhöfen Annenheide und Groß Ippener ausgehende Anschlussgleise zur Versorgung eines Flugplatzes und einer Munitionsanstalt. In der Nacht zum 24. Juli 1940 explodierten bei einem Luftangriff vier Wagen eines auf dem Harpstedter Bahnhof abgestellten Munitionszuges, wobei ein Wachsoldat ums Leben kam und das Bahnhofsgelände verwüstet wurde. Im weiteren Kriegsverlauf nahmen die Angriffe auf die Kleinbahn zu, wobei mehrere Tote zu beklagen waren und der Verkehr letztendlich zum Erliegen kam.

Am 6. August 1945 konnte der Zugverkehr wieder aufgenommen werden. Nun fuhren viele Menschen mit der Kleinbahn aufs Land, um Lebensmittel zu besorgen („Hamsterfahrten“).   Die nächsten Folge beschäftigt sich mit der Geschichte der DHE zwischen Währungsreform und Gegenwart.

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