Von Nichtwählern und Bankenrettern
Kabarett Gerd Hoffmann teilt im Rathaus Kirchhatten verbale Rundumschläge gegen Koalition und Opposition aus
von Christian Korte
Kirchhatten - Die Haare sind nicht mehr feuerrot sondern eher grau, geblieben ist dafür das spitzbübische Grinsen, mit dem Gerd Hoffmann über die große Politik herzieht.
Nicht viel hat sich geändert, seit der Berliner Kabarettist zum letzten Mal im Kirchhatter Rathaus aufgetreten ist. Wie im November 2008 erklärte Hoffmann auch bei seinem Auftritt zu den Hatter Kulturwochen am Dienstagabend im Rathaus, entgegen der landläufigen Meinung sei die Zeit für seinen Berufsstand hart: „Was da in Berlin im Moment passiert, können wir uns am grünen Tisch gar nicht ausdenken“. Jede Überspitzung werde in kürzester Zeit von der noch absurderen Realität überholt, meint der Kabarettist.
Und tatsächlich, manchmal hatte man bei diesem Auftritt das Gefühl, Hoffmann ist beim Schreiben seines Programms selbst das Lachen im Halse stecken geblieben.
Trotzdem, es blieb genug Material übrig, um die Besucher im Rathaus immer wieder zu einem Lachen mit bitterem Nachgeschmack zu bringen – etwa wenn er vorrechnet, dass eigentlich die Fraktion der Nichtwähler nach der letzten Bundestagswahl mit der Regierungsbildung an der Reihe gewesen sei. Hoffmann erklärt auch, wie die Bundesregierung Banken privatisiert hat: „Den zweieinhalbfachen Wert als Kaufpreis für ein Viertel der Aktien – das ist, als ob sie beim Bäcker den zweieinhalbfachen Preis einer Torte zahlen, aber mit einem Pfannkuchen nach Hause gehen.“
Die Geburtstagsfeier von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann im Kanzleramt findet Hoffmann dagegen in Ordnung: „Geld regiert die Welt, warum soll er nicht da feiern, wo er hingehört“, sagt der Berliner mit bitterem Unterton. Das Argument „Sachzwänge“ lässt Hoffmann der Politik nicht durchgehen. „Es gibt immer eine Alternative. Wenn es regnet und sie wollen spazieren gehen, können sie drin bleiben, oder nass werden. Mit dem Sparpaket der Bundesregierung bleiben wir drin und werden nass.“
Im Laufe des Abends bekommt aber nicht nur die schwarz-gelbe „Tigerentenkoalition“ ihr Fett weg, SPD, Linke und Grüne sind ebenso dran wie „Otto-Normalverbraucher“. Den Zuschauern gefällt der Rundumschlag. „Es hat sich gelohnt, heute Abend herzukommen“, meint etwa der Sandkruger Erich Wolfram.
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