Frivole Märchenstunde für Erwachsene
KULTUR Menü aus Literatur, Musik und leckerem Essen mundet den Gästen in der Klosterschänke
Annette Ziellenbach und Lothar Schneider unterhielten mit frivolen und witzigen Texten und Liedern. BILD: STRUDTHOFF 
VON MERLE STRUDTHOFF
Hude - Die Zuhörer fühlen sich ein bisschen in die fabelhafte Welt der Amelie versetzt. Akkordeon-Melodien im französischen Chanson-Stil, eine atmosphärische Kulisse in den Räumen der Huder Klosterschänke. Und alles dreht sich um die Liebe. Die geistige – und vor allem die körperliche.
Akkordeonist Lothar Schneider leitet am vergangenen Sonnabend den literarisch-musikalischen Abend mit seinem Instrument ein. Gemeinsam mit Schauspielerin Annette Ziellenbach und Klosterschänke-Inhaber Jens Burgdorf hat er Besucher zu dem Abendprogramm „Irgendwie…Liebe…“ eingeladen. Alle drei Profis zaubern tatsächlich das versprochene „dicke Programm“: Lothar Schneider spielt, Annette Ziellenbach liest und Jens Burgdorf serviert. Alles angenehm aufeinander abgestimmt.
Den Anfang machte ein kurzer Exkurs in die altägyptische Liebeslyrik. Dabei zeigte auch Ziellenbach ihr musikalisches Talent, als sie zur Querflöte greift. In der ersten Pause gibt’s dann die Vorspeise: Flusskrebse – „sehr lecker“, wie eine Besucherin verrät. Im zweiten Teil beginnen Ziellenbach und Schneider mit Heinrich Heine's „Hohelied“ aus dem 19. Jahrhundert. „Wir sind nur Stümper gegen dich, den himmlischen Poeten“, meint das Paar des Abends, die Zuhörer sehen das anders und zollen der leidenschaftlichen Darbietung mit viel Applaus und amüsiertem Lachen Respekt.
Ziellenbach und Schneider nehmen die Zuschauer mit in Robert Gernhardt's „Dunkel“ – wo zwar „alles dunkel, aber warm“ ist. Sie pflücken mit den Gästen Pflaumen, finden per einfacher Rechnung heraus, dass Schneider tatsächlich „im ganzen Leben nie eine einzige wirkliche, ganze Liebe gehabt“ hat, heißen Goethes Abschied willkommen und nehmen dabei kein Blatt vor den Mund.
Dafür benötigen die Künstler keine große Bühne oder Technik. Gerade das macht den Charme der Veranstaltung aus, eine einfache Lesung, die kombiniert mit echtem Talent, einer atmosphärischen Kulisse und einem leckeren Essen zu einer Art Märchenstunde wird, in der die Zuhörer gespannt darauf sind, wie die Gedichte weiter gehen.
Dabei überraschen Schneider und Ziellenbach das Publikum immer wieder von Neuem, ob mit noch obszöneren Texten, einem Kostümwechsel oder Gesang. Sprüche wie „Es kommt gewiss nicht nur auf das Äußere einer Frau an – auch die Dessous sind wichtig“, sorgen für Gesprächsstoff und die Essenspausen dienen als Diskussionsforum.
„Sehr frivol“, grinst eine Besucherin und auch der Rest des Publikums amüsiert sich über die ausgewählten Texte. Alles in allem gerät der „literarisch-musikalische Abend“ in der Klosterschänke zu einem glatten Erfolg, der „gerne einer Wiederholung bedarf“, so ein zwinkernder Besucher.
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