HUDE, 11. März 2010


Bei Minusgraden auf der Weide telefoniert

Panne Praxisbetreiber neun Tage lang ohne Festnetz und Internet – Schadenersatzforderung abgelehnt


Hayo Bothe ärgert sich über die EWE Tel. Diese legte ihm nach einer Verwechselung die Telefonleitung still.

von Yvonne Bachmann

Hude - Ein Leben ohne Telefon und Internet können sich viele Menschen gar nicht mehr vorstellen. Wie es einem ergeht, wenn man ungewollt auf beides verzichten muss, hat Hayo Bothe am eigenen Leib erfahren.


Einschränkung für Praxis
Am 21. Dezember des vergangenen Jahres stellte Hayo Bothe fest, dass er nicht mehr telefonieren konnte. Die von der EWE Tel betreute Leitung war stillgelegt. Für Bothe, der an der Straße „Hinterm Reiherholz“ lebt, und in seinem Haus eine Heilpraxis betreibt, stellte das ein großes Problem dar. „Für Patienten in Notlagen bin ich sonst jederzeit erreichbar. Sie konnten nun keine Termine vereinbaren oder verschieben“, erzählt er. Um mit seinen Patienten per Mobiltelefon in Kontakt treten zu können, habe er jedes Mal bei Minusgraden 50 bis 100 Meter auf eine Weide gehen müssen, da er im Haus kein Netz bekomme.

Nachdem die Versuche der Kontaktaufnahme zum Kundenservice der EWE Tel am ersten Tag in der Warteschleife geendet hatten, erfuhr Hayo Bothe erst am nächsten Tag von der EWE Tel, dass der Vertrag gekündigt worden sei. Bei genauerer Überprüfung stellte sich heraus, dass eine Verwechslung der Kundennummer vorlag, die Kündigung eigentlich einem anderen Kunden zuzuordnen war. „Man versprach, sich zu kümmern“, berichtet Hayo Bothe. Der Anschluss sei inzwischen wieder der Telekom unterstellt und müsse dort zurückgeholt werden, habe man ihm gesagt. Am 24. Dezember, dem vierten Tag ohne funktionierende Telefonleitung, erfuhr Hayo Bothe von einem Mitarbeiter der Huder EWE Tel-Filiale, dass auch keine Rufumleitung auf das Handy möglich sei, weil die Leitung in den Händen der Telekom sei. Es folgten drei weitere Tage ohne Telefon und Internet. Am 28. Dezember erhielt die Familie eine Rufumleitung und Ersatzhandys mit einem anderen Netz. Erst am 29. Dezember funktionierten Internet und Telefon wieder.

In einem Schreiben an die EWE Tel beschwerte sich Hayo Bothe über den Ausfall: „Es hat uns viel Zeit, psychische Belastung, Terminverluste, Geld sowie einen Imageschaden gekostet“, schrieb er und forderte eine Schadenersatzleistung von 700 Euro. Von der EWE Tel erhielt Hayo Bothe darauf eine Kulanzgutschrift über 25 Euro.


Zahlendreher übersehen
Gegenüber der NWZ  erklärte die EWE Tel, dass der Ausfall entstanden sei, da ein anderer Kunde in seiner schriftlichen Vertragskündigung einen Zahlendreher übersehen hatte und somit die Kundennummer von Hayo Bothe auf dessen Kündigung gestanden habe. Die Diskrepanz beim Namen sei den Mitarbeitern der EWE Tel bedauerlicherweise nicht aufgefallen, so Unternehmenssprecher Christian Bartsch. Wegen der Feiertage habe die erneute Freischaltung der Leitung länger gedauert als im Normalfall.

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Der Schadenersatzforderung von Hayo Bothe könne man jedoch nicht nachkommen, da dessen Anschluss nicht als Geschäftsanschluss angemeldet gewesen sei, so Bartsch. Zudem gebe es in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen eine Klausel, die besagt, dass im Jahr eine Erreichbarkeit von 97 Prozent zugesichert werde. Diese sei in Hayo Bothes Fall nicht unterschritten worden. Eine Schadenersatzforderung wäre für ihn als Privatkunden auch bei einem längerem Ausfall nicht möglich gewesen. Hayo Bothe hätte dann aber wegen Unzufriedenheit sofort den Vertrag kündigen können.




 



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