„Fliegen ist eine Lebenseinstellung“
Freizeit Jugendgruppe des Luftsportvereins trainiert für Lizenzen – Berufswunsch Lufthansa-Pilot
Haben keine Angst vor großer Höhe (v.l.): Carl-Philipp Ehren, Timm Eckhoff, Arne Gall und Kay Menkens-Siemers (vorn) BILD: Yvonne Bachmann 
von Yvonne Bachmann
Hude - Die „grenzenlose Freiheit über den Wolken“ ist nur wenigen wirklich bekannt. Wer sie aber einmal selbst gefühlt hat, wird oft süchtig danach. So geht es auch Timm Eckhoff, Arne Gall, Carl-Philipp Ehren und Kay Menkens-Siemers, die beim Luftsportverein Hude das Fliegen lernen. Das Ungewöhnliche daran ist, dass sie zwar schon am Steuer eines Segelflugzeugs beziehungsweise eines Ultraleichtflugzeugs sitzen dürfen, für den Autoführerschein aber noch zu jung sind.
Eltern fliegen mit
Timm und Arne sind beide 17 Jahre alt. Die beiden Huder sind seit Kindergarten-Zeiten befreundet und schon fast genauso lange fasziniert vom Fliegen. „Wir haben schon als Kinder einen Flugsimulator auf dem Computer gehabt“, erzählt Arne. Und schon damals hätten sie gewusst: „Das und nichts anderes“. Einen Teil ihres Traumes haben sich beide bereits erfüllt. Seit 2007 sind sie im Huder Luftsportverein. Timm hat bereits seine PPLC – die Privat Piloten Lizenz für Segelflieger – und darf alleine fliegen. „Meine Eltern sind beide schon mitgeflogen“, berichtet der Huder. Auch bei Arne soll es nicht mehr lange dauern, bis er die Lizenz in der Tasche hat. Im Frühjahr will er seine Theorieprüfung absolvieren. „Fliegen ist eine Lebenseinstellung“, sagt Arne, und da verwundert es nicht, dass er und Timm später Berufspiloten bei der Lufthansa werden möchten. „Wir waren schon auf einer Informationsveranstaltung in Bremen“, erzählt Arne. Erst einmal steht aber im kommenden Jahr noch das Abitur an.
Einen Beruf, der mit dem Fliegen zu tun hat, möchte auch der 17-jährige Carl-Philipp Ehren ergreifen. Der Huder will entweder selbst fliegen oder Fluglotse werden. Durch Arne kam er zum Huder Flugsportverein, der habe ihn einfach mal mitgenommen, erzählt Carl-Philipp. Anders als Timm und Arne entschied er sich jedoch dafür, zu lernen, wie man ein Ultraleichtflugzeug fliegt. „Ich wollte gerne etwas mit Motor“, sagt Carl-Philipp. Um Flugstunden nehmen zu können, habe er ein polizeiliches Führungszeugnis und ein ärztliches Attest vorzeigen müssen. Das sei für jeden Pflicht. Nach einer Einweisung sei es recht schnell mit Flugstunden losgegangen.
Das jüngste Mitglied der Jugendgruppe im Luftsportverein ist Kay Menkens-Siemers. Der 15-jährige Falkenburger war schon früh von Segelflugzeugen fasziniert. „Ich habe sie als Kind über unserem Hof fliegen sehen, weil wir nah am Flugplatz wohnen. Mit sechs Jahren bin ich selbst einmal mitgeflogen. Als mein Vater mich fragte, ob ich Fliegen lernen möchte, habe ich sofort Ja gesagt“, so Kay. Seit 2009 ist er Vereinsmitglied, und er freut sich schon auf seinen ersten Alleinflug.
Kein elitärer Sport
Timm, Arne, Carl-Philipp und Kay erlernen allerdings nicht nur das Fliegen. „Sie lernen auch, Verantwortung für sich und andere zu tragen“, erklärt Jugendgruppenleiter Christoph Hoffmann. „Im Winter helfen sie zudem bei der Wartung und Instandhaltung der Maschinen“, ergänzt Heinrich Schnieder, 1. Vorsitzender des Vereins. Durch diese Mitarbeit würden die Mitgliedsbeiträge niedrig gehalten. Segelfliegen solle kein elitärer Sport sein, so Schnieder. Alle Tätigkeiten im Verein erfolgen laut Schnieder auf ehrenamtlicher Basis. Selbst Übungsleiterzuschüsse würden dem Verein gespendet. Für Flugschüler fallen neben einem geringen Mitgliedsbeitrag von etwa 15 Euro im Monat Kosten für Start- und Landegebühren, Betriebsmittel und Versicherungen an. Das ist kein preiswertes Hobby, aber „auch nicht unbezahlbar“, sagt Carl-Philipp.
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