Plastikschubkarre lässt Augen leuchten
Flut Antje Linnemann kehrt nach Hilfstransport aus Polen zurück – Große Dankbarkeit bei Opfern
Bild der Verwüstung: Antje Linnemann aus Kirchkimmen (kleines Bild) hat die Flutschäden in der polnischen Stadt Bogatynia mit der Kamera festgehalten. Sie will nun noch einen Hilfstransport organisieren. BILDer (2): Antje Linnemann/Christoph Bähr 
von Christoph Bähr
Kirchkimmen - Als Antje Linnemann spätabends im polnischen Hochwassergebiet ankam, war sie überrascht. „Alles sah relativ in Ordnung aus“, erinnert sich die 49-Jährige aus Kirchkimmen. Sollten die vielen Sachspenden für die Flutopfer, die sie eine Woche lang mit großem Einsatz gesammelt hatte, gar nicht mehr benötigt werden, schoss es ihr durch den Kopf. Diesen Gedanken verwarf Antje Linnemann jedoch schnell wieder: Als sie den historischen Stadtkern von Bogatynia erreichte, bot sich ihr ein Bild der Verwüstung.
„Da ist wirklich alles kaputt“, sagt die Kirchkimmerin schockiert. Die Schreckensnachrichten über die Flut im Dreiländereck und speziell die Bilder des weinenden Bürgermeisters aus der Kleinstadt Bogatynia hatten Antje Linnemann so bewegt, dass sie kurzentschlossen eine Hilfsaktion startete. Sie klapperte die ganze Gemeinde ab, sammelte Sachspenden wie Möbel, Werkzeug, Kleidung oder Kinderspielzeug (die NWZ berichtete).
Große Hilfsbereitschaft
Gemeinsam mit ihrem Mann Bert hat Antje Linnemann die Sachen jetzt selbst nach Polen gebracht. Beim Transport half ihr die Niebüller Möbelhilfe, ein soziales Kaufhaus in Nordfriesland. „Die sind mit mehreren Leuten im Wechsel 48 Stunden am Stück gefahren. Diese Hilfsbereitschaft ist großartig“, zeigt sich Antje Linnemann immer noch beeindruckt von den Helfern. Auch die Autovermietung Buchbinder unterstützte die Hilfsaktion der Kirchkimmerin. Sie stellte zwei Transporter weit unter Normalpreis zur Verfügung. „Und obwohl die beiden Autos sechs Stunden zu spät zurückgebracht wurden, mussten wir nichts extra bezahlen“, betont Antje Linnemann.
Während die Helfer die Spenden abluden und dann sofort den Heimweg antraten, blieben die Linnemanns für zwei Tage in Polen. So erlebten sie hautnah mit, wie ihre gesammelten Güter an die Bevölkerung verteilt wurden. „Das lief schon sehr chaotisch ab. Wir haben die Sachen in der Schule abgestellt. Dort haben die Flutopfer sich dann einfach das genommen, was sie benötigten“, berichtet Antje Linnemann.
Wichtig sei jedoch, dass die Spenden bei denen angekommen sind, die sie brauchen. „Und das war definitiv der Fall. Die Sachen sind bei den Richtigen gelandet“, sagt die 49-Jährige zufrieden.
Eine Dolmetscherin der Stadt Bogatynia, die die Kirchkimmer betreute, habe ihr im Namen des Bürgermeisters für die schnelle Hilfe aus der Gemeinde Hude gedankt, so Linnemann. Auch die Menschen in Bogatynia seien unheimlich dankbar und herzlich gewesen.
Besonders in Erinnerung geblieben sind Antje Linnemann die strahlenden Augen eines kleinen Jungen, als sie ihm eine Plastikschubkarre zum Spielen überreichte. „In dem Moment wusste ich genau, warum ich die ganzen Anstrengungen auf mich genommen habe“, sagt sie.
Arbeit am Wiederaufbau
Beeindruckt hat die Kirchkimmerin auch die Entschlossenheit der Bewohner von Bogatynia, die sie in vielen Gesprächen spüren konnte. „Sie sind nach der verheerenden Flut zwar frustriert, aber auch voller Hoffnung. Alle arbeiten am Wiederaufbau“, erzählt Antje Linnemann.
Selbst die Besitzer eines 300 Jahre alten Hauses im Stadtkern von Bogatynia würden sich nicht aufgegeben, obwohl es sie besonders hart getroffen hatte. „Die Familie hatte einen deutschen Sponsor gefunden, um das historische Gebäude zu sanieren. Alte Wandmalereien waren bereits freigelegt worden. Durch die Flut waren nun alle Arbeiten umsonst“, erfuhr die Kirchkimmerin in einer Unterhaltung mit den Bewohnern, die etwas Deutsch sprechen.
Diese Geschichte hat die 49-Jährige so berührt, dass sie diese Familie nun unterstützen möchte. Momentan versucht sie, den Kontakt zu ihr herzustellen. Eine weitere Fahrt nach Polen ist demnächst ohnehin geplant: Sobald Antje Linnemann wieder genug Sachspenden gesammelt hat, um einen Transporter zu füllen, will sie erneut nach Bogatynia fahren und helfen.
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