„Ich bin gierig nach neuen Hörbüchern“
Serie Peter Schlöndorff lässt sich gerne vorlesen – Moby Dick von Melville ist sein Lieblingsschmöker
Im Wohnzimmer stehen noch zahlreiche Bücher, doch Peter Schlöndorff greift inzwischen lieber zu Kopfhörern und Hörbuch. BILD: Kerstin Kempermann 
von Kerstin Kempermann
Hude - Fast fühlt sich Peter Schlöndorff so, als wäre er selbst – und nicht die Romanfigur Lew Peschkow – gerade in Cardiff gelandet. Dabei sitzt der 66-Jährige zu Hause in seinem Wohnzimmer und lauscht dem Hörbuch von Ken Follets Roman „Sturz der Titanen“. Egal ob beim Bügeln oder wenn er kreativ arbeitet, seine Kopfhörer hat der Rentner derzeit häufig auf. Es sei denn, seine Frau ist nicht zu Hause. „Dann kann ich auch einfach die Anlage aufdrehen“, sagt er und lacht.
Das Hören von Romanen hat bei Schlöndorff mittlerweile das Lesen abgelöst. „Ich habe früher gern gelesen“, erzählt er. In Jugendjahren faszinierten ihn vor allem die Karl- May-Bücher. Später waren es Jules Vernes Abenteuerromane.
Abenteuerlich geht es auch in seinem Lieblingsbuch zu: Moby Dick von Herman Melville. „Das Buch habe ich sogar zweimal gelesen. Dabei lese ich Bücher eigentlich grundsätzlich nur einmal“, betont er die Wichtigkeit dieses Werkes. Aber nicht nur Romane begeisterten den Huder. Besonders gerne las er auch Sachbücher über Ägyptologie.
Doch seit sechs Jahren greift der Erfinder der Huder Märchentage kaum noch zum Buch. „Ich hatte nicht mehr die innere Ruhe dafür“, erklärt er. Anfangs war das ein großer Verlust für ihn. Doch mittlerweile hat er Ersatz gefunden. In Hörbüchern. Die waren bis dahin kein Thema für ihn gewesen. Erst durch Rufus Beck, den Sprecher der Harry-Potter-Hörbücher, wurde er auf dieses Genre aufmerksam. „Ich hatte Beck damals zu den Märchentagen eingeladen und war von seiner Art zu lesen sofort begeistert“, erinnert sich Schlöndorff.
Dennoch dauerte es noch eine Weile, bis er selbst den Zugang zu den Hörbüchern fand. Als ein Bekannter ihm Frank Schätzings „Der Schwarm“ auslieh, war es um ihn geschehen. „Seitdem bin ich gierig nach neuen Hörbüchern.“ Schlöndorffs Lieblingsautor: Bernhard Schlink. „Erst durch die Hörbücher bin ich auf Schlink gestoßen. Er schreibt einfach großartig“, findet Schlöndorff.
Überhaupt hat sich seine Wahrnehmung der erzählten Geschichten verändert. „Früher ging es mir um die Story. Langweilige Passagen hat man dann schon mal überblättert“, erzählt er. Bei den Hörbüchern sei das anders. Gerade die kleinen Nebengeschichten und ausführlichen Beschreibungen machten diese für ihn sehr interessant. Wichtig sei dabei auch, wer die Geschichte lese. So spielt bei Schlöndorffs Buchauswahl nicht mehr nur der Autor eine Rolle. „Ich hole mir auch Hörbücher, nur weil sie von Dietmar Bär gesprochen werden. Der macht das einfach klasse.“
In Schlöndorffs Wohnzimmer füllen derzeit aber noch Bücher die Regale. „Ich war nie ein Bibliothekengänger. Bücher musste ich mir immer kaufen“, erzählt er. Seine Hörbücher bezieht der Huder allerdings meistens aus dem Internet, weil das günstiger ist. „Das stört mich noch“, erzählt er. Irgendwann will er auch seine Hörbücher im Regal stehen haben.
Doch egal ob als gebundenes Buch oder in Form von Hör-CDs, die Liebe zu fantasievollen Geschichten ist Schlöndorff erhalten geblieben.
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