Mit Fingerspitzengefühl zum Sieg
Jakkolo Moritz Tschörtner spielt seit 20 Jahren – Die WM in Hude ist für ihn ein sportlicher Höhepunkt
von Ascan Dieffenbach
Hude - Er ist ein alter Jakkolo-Hase, und das mit 25 Jahren. Doch er steht schon seit 20 Jahren an dem zwei Meter langen und 40 Zentimeter breiten Brett. Im Alter von fünf wurde Moritz Tschörtner an die Sportart herangeführt, heute ist er einer der besten Jakkolo-Spieler überhaupt.
Doch auch mit so viel Erfahrung kann man noch Höhepunkte erleben. Für den 25-Jährigen ist die Weltmeisterschaft, die am 20. und 21. Mai in Hude ausgetragen wird, ein besonderer Reiz. „Es ist schön, die WM in Hude spielen zu können“, sagt er. In der Halle am Huder Bach wird er sich messen mit den besten der Welt. Längst kommen Jakkolo-Spieler nicht mehr nur aus Holland, dem Mutterland der Sportart. Seine Gegner werden für Belgien, Surinam, Österreich oder die Türkei antreten. „Es ist eine große Herausforderung“, sagt er.
Insgesamt ist es die dritte offizielle Jakkolo-WM. Mannschafts-Ländervergleiche gibt es allerdings häufiger. Dabei hat der Huder es schon geschafft, fast alle holländischen Gegner, die viel mehr Routine besitzen und immer zu den Favoriten zählen, aus dem Weg zu räumen. Im Laufe seiner Karriere hat er viele Titel gesammelt: Er war zehnmal Deutschland-Pokal-Sieger,
fünfmal Niedersachsenmeister im Einzel, dreimal Niedersachsenmeister im Teamwettbewerb und zweimal Viertelfinalist bei der Weltmeisterschaft im Einzel.
Ihm gelingt es mit Leichtigkeit, die 30 Holzscheiben in den vier Fächern unterzubringen. Dafür hat er in einem normalen Jakkolo-Spiel drei Durchgänge. Alle, die im ersten nicht in einem der Fächer landen, werden in den nächsten Durchgang mitgenommen. Bis – im Idealfall – nach dem dritten Durchgang keine Scheibe übrig ist. Dann wird gezählt. Jedes Fach hat eine Punktzahl – von eins bis vier. Landet in jedem Fach eine Scheibe, gibt es 20 Punkte – die Höchstpunktzahl ist 148.
Bei gängigen Turnieren gilt es, sein Können an zehn Tischen unter Beweis zu stellen. Am Ende wird zusammengerechnet. „Wenn ich ans Maximum gehen möchte, muss ich mich sehr konzentrieren“, sagt Tschörtner. Die Übung darf dabei nicht fehlen, auch wenn er nicht ständig spielt. Er investiert mehr Zeit in eine andere Sportart: Tischtennis.
Dennoch gibt es auch für ihn regelmäßige Jakkolo-Termine. Einmal im Monat hat er ein Spiel. Dazu kommen Turniere, der jährliche Ländervergleich und natürlich die Weltmeisterschaft, bei der je 128 Männer und Frauen antreten werden. „Es reizt mich, immer wieder bis ans Maximum zu gelangen“, erklärt er, „es geht um Konstanz.“ Interessant sei es, dass die Bretter jedes Mal verschieden sind. „Man muss sich immer wieder neu darauf einstellen“, erklärt der Huder.
Ein Vorteil an der über 400 Jahre alten Sportart: Die Jakkolo-Gemeinde ist klein. Tschörtner geht von rund 250 Aktiven in Deutschland aus. Und auch die Gegner aus den Niederlanden kenne er gut. „Es ist ein bisschen wie eine große Familie“, sagt der angehende Lehrer, der vor kurzem die letzte Prüfung seines Studiums in Bremen erfolgreich hinter sich gebracht hat. Egal wohin es ihn im Berufsleben verschlagen wird – Moritz Tschörtner wird weitermachen und weiter viel Erfahrung am Holzbrett sammeln.
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